Zwischen den Ländern Brasilien und Deutschland fliegen politisch die Fetzen! Auslöser war Kanzler Friedrich Merz, der sich nach seinem Besuch bei der Klimakonferenz abfällig über die brasilianische Stadt Belém geäußert hatte. Das Entsetzen darüber war im südamerikanischen Land groß (siehe Video oben). Besonders heftig teilte der Bürgermeister von Rio de Janeiro, Eduardo Paes, gegen den deutschen Kanzler aus. Auf X schrieb er schrieb zu Merz: „Sohn von Hitler! Mistkerl! Nazi!“
Den Post löschte Paes kurz darauf wieder und schrieb stattdessen: „Das war mein heutiger Frustabbau. Bleibt ruhig im Außenministerium. Es lebe die Freundschaft zwischen Brasilien und Deutschland.“
Screenshot des inzwischen gelöschten Postings des Bürgermeisters von Rio:
Auch Präsident Lula kontert Merz
Auch Brasilien-Präsident Lula da Silva schlug gegen Merz zurück. Der Kanzler hätte in Belém „in eine Bar gehen, dort tanzen und die lokale Küche probieren sollen“, kritisierte Lula. Dann „hätte er gemerkt, dass Berlin ihm nicht einmal zehn Prozent der Qualität bietet, die der Bundesstaat Pará und die Stadt Belém bieten“. Ja, die Stadt sei arm, aber sie habe „ein so großzügiges Volk wie kaum ein anderer Ort auf der Welt“.
Auch auf Instagram haben sich viele Brasilianer auf Merz‘ Kanzler-Account negativ über den deutschen Kanzler geäußert. „Brasilien ist dankbar für Ihre Abreise. Schön, dass Sie wieder zu Hause sind. Bleiben Sie ruhig dort; wir werden Sie sicher nicht vermissen“, schreib etwa ein User.
Diese Merz-Aussagen sorgen für den Frust
Was war passiert? Auf einem Handelskongress in Deutschland hatte Merz gesagt: „Wir leben in einem der schönsten Länder der Welt. Ich habe einige Journalisten, die mit mir in Brasilien waren, letzte Woche gefragt: Wer von euch würde denn gerne hierbleiben?“
Und dann legte Merz die Sätze nach, die in Brasilien noch immer für reichlich Zorn sorgen: „Da hat keiner die Hand gehoben. Die waren alle froh, dass wir vor allen Dingen von diesem Ort, an dem wir da waren, in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind.“ Man lebe in Deutschland „in einem der schönsten Länder der Welt“.
Merz war Anfang November zur Weltklimakonferenz nach Belém gereist. Die Metropole im Norden Brasiliens gilt als eine der ärmsten des Landes.
„Kleine Hierarchisierung“ der schönsten Länder der Welt
Regierungssprecher Stefan Kornelius widersprach dem Vorwurf, dass sich der Kanzler „missfallend“ oder gar „angewidert“ über die Stadt am Amazonas geäußert habe. „Er hat gesagt, wir leben in einem der schönsten Länder der Welt und das hat er auf Deutschland bezogen“, erläuterte Kornelius. Brasilien gehöre zwar sicherlich auch zu den schönsten Ländern der Welt. „Aber, dass der deutsche Bundeskanzler hier eine kleine Hierarchisierung vornimmt, ist, glaube ich, jetzt nicht verwerflich.“
Ich habe gesagt, Deutschland ist eines der schönsten Länder der Welt, und das wird vermutlich auch Präsident Lula so akzeptieren.
Deutschlands Kanzler Friedrich Merz (CDU)
Merz selbst sieht das deutsch-brasilianische Verhältnis nicht als belastet an. „Ich habe gesagt, Deutschland ist eines der schönsten Länder der Welt, und das wird vermutlich auch Präsident Lula so akzeptieren“, sagte Merz. Er werde am Wochenende beim G20-Gipfel im südafrikanischen Johannesburg „völlig unbelastet“ mit Lula sprechen.
Merz-Kritiker erinnern an Stadtbild-Debatte
In Deutschland erinnerten einige Merz-Kritiker in diesem Zusammenhang an eine Debatte, die Merz eigentlich für überwunden gehalten hatte. Stichwort: Stadtbild. Dass Merz im Zusammenhang mit Migration von Problemen im Stadtbild in Deutschland gesprochen hatte, wird ihn wohl seine ganze Amtszeit verfolgen. Der „Spiegel“ überschrieb seinen allmorgendlichen Newsletter mit der Schlagzeile „Merz gefällt das Stadtbild in Brasilien nicht“.
Linke fordern Entschuldigung des Kanzlers
Es gab einzelne Forderungen nach einer Entschuldigung, von der Linken und von Greenpeace zum Beispiel. „Langsam fragt man sich, ob der Kanzler überhaupt noch irgendwo auftreten kann, ohne Deutschland in Erklärungsnot zu bringen“, sagte die Co-Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katharina Dröge. „Das Bild, das der Kanzler bei seiner Brasilienreise abgegeben hat, war fatal: außenpolitisch taktlos, klimapolitisch ambitionslos und gegenüber Brasilien schlicht respektlos.“
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