„Unruhestifter“ und „dem Land schädliche“ Menschen schimpfte Irans oberster Führer die Aktivisten gegen die Staatsführung in dem Land. Ayatollah Ali Khamenei verurteilte die landesweiten Proteste aufs Schärfste und unterstellte Anbiederung an US-Präsident Donald Trump.
„Es gibt auch Leute, deren Arbeit Zerstörung ist“, wetterte Ayatollah Ali Khamenei in einer am Freitag veröffentlichten Rede. Sie richteten Zerstörung an, „nur damit sich der Präsident der Vereinigten Staaten freut“, sagte das Staatsoberhaupt in Hinblick auf Donald Trump.
Der US-Präsident hatte der iranischen Führung bereits mehrfach mit einem Einschreiten gedroht, sollte die Staatsmacht Demonstranten töten. Am Donnerstagabend erlebte der Iran die größten Demonstrationen seit Beginn der aktuellen Protestwelle Ende Dezember. Diese wurde ausgelöst durch die massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung Rial.
Internet komplett abgeschaltet
Der iranische Sicherheitsapparat hat das Internet für die Bevölkerung seit mehr als 14 Stunden vollständig abgeschaltet. Der Iran ist damit fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Nur sehr wenige Informationen dringen nach außen. Nur der staatliche Rundfunk veröffentlicht auf seinem Telegram-Kanal noch offizielle Nachrichten aus dem Land. Andere Medien mussten ihre Arbeit einstellen
Unterdessen mehren sich Berichte über zahlreiche Tote, nachdem Sicherheitskräfte am Donnerstag das Feuer auf Demonstrierende eröffnet haben sollen. Laut Aktivisten sollen mindestens 45 Demonstranten ums Leben gekommen sein. Nicht verifizierte Videos in sozialen Netzwerken zeigen blutüberströmte junge Menschen nach einer Kundgebung auf dem Boden eines Gebäudes in einem Vorort nahe der Hauptstadt Teheran. Der staatliche Rundfunk sprach in einem Bericht von Demonstrationen, die „von terroristischen Elementen unterwandert“ worden seien.
Flüge gestrichen
Zahlreiche für Freitag geplante Flüge in den Iran sind gestrichen worden. Betroffen sind mindestens sechs Verbindungen zwischen Dubai und iranischen Städten wie Teheran, Shiras und Mashhad. Außerdem wurden mindestens fünf Flüge von Turkish Airlines von Istanbul nach Teheran annulliert. Dies geht aus den Webseiten der Flughafenbetreiber in Dubai und Istanbul hervor.
„Erleben historischen Moment“
Der SPÖ-Delegationsleiter im Europaparlament, Andreas Schieder, betonte in einer Aussendung, es wäre jetzt entscheidend, „den Menschen im Iran beizustehen und diese Proteste klar zu unterstützen. Wir erleben einen historischen Moment, wie es ihn nur selten gibt – ein Zeitfenster, in dem echte Veränderung möglich wird. Die Europäische Union darf in dieser Phase nicht schweigen, sondern muss sich unmissverständlich an die Seite der mutigen Protestierenden stellen.“
Die EU verurteilte das gewaltsame Vorgehen gegen Demonstranten im Iran. „Jegliche Gewalt gegen friedliche Demonstranten ist unannehmbar“, sagte EU-Kommissionssprecher Anouar El Anouni am Freitag in Brüssel. „Wir fordern die iranischen Behörden nachdrücklich auf, die Rechte auf Meinungsfreiheit und friedliche Versammlung zu wahren und den Internetzugang für alle wiederherzustellen“, fügte er hinzu.
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