Weil es in vielen Orten keine Bank und auch keine Poststelle mehr gibt, übernehmen die Kommunen diese Aufgabe in Form des Postpartners. Doch dieser Service beschert manchen Gemeinden vor allem Kosten.
Wenn in Schattendorf im heurigen Jahr das runde Jubiläum zehn Jahre Postpartner begangen wird, dann herrscht nicht bei allen Grund zum Feiern. Vor allem, wenn sich Bürgermeister Thomas Hoffmann die wirtschaftliche Bilanz für das vergangene Jahrzehnt anschaut. Denn außer Kosten bleibt am Ende nicht viel übrig. „Die Gemeinde hat in den letzten zehn Jahren rund 250.000 Euro aufgewendet, um eine Postpartnerstelle aufrechtzuerhalten“, rechnet Hoffmann vor.
Postpartner wichtig für ältere Generation
Trotz eines Defizits von 25.000 Euro pro Jahr sei man gewissermaßen gezwungen, diesen Service für die Bürger anzubieten. Denn wie viele andere Gemeinden hat auch Schattendorf das Problem, dass es keine Bankstelle mehr im Ort gibt. „Früher hatten wir drei Bankfilialen. Alle wurden zugesperrt, wobei eine die Commerzialbank war“, sagt der Ortschef. Ohne Postpartner hätten die älteren Menschen nicht einmal eine Möglichkeit, ihre Pension abzuheben und Geldgeschäfte durchzuführen. Und wenn es keinen Greißler in der Ortschaft gebe, der den Postpartner nebenbei betreibt, müsse die Gemeinde einspringen. Ein schlechtes Geschäft, denn die Post zahle nur die Leistung, aber nicht die tatsächlichen Kosten.
Ähnliches berichtet auch Helmut Hareter, Bürgermeister von Breitenbrunn. Vor rund zwölf Jahren habe man den Postpartner übernommen, weil sich keine Interessenten gefunden hätten. So hohe Kosten wie Schattendorf habe man nicht, aber: „Vom Postpartner allein kann man nicht leben.“ Deswegen habe man die Post in eine Bürgerservicestelle integriert. „Das wird gut angenommen. Ich möchte den Postpartner nicht missen“, so Hareter. Die Abgeltung der Post sei aber sehr überschaubar.
Die Bürger wünschen sich den Zugang zu Post- und Geldgeschäften, doch die Rahmenbedingungen sind unzureichend, belasten die Gemeinden enorm.

Bürgermeister und Gemeindesprecher Thomas Hoffmann
Bild: Karl Grammer
Provision für Mitarbeiter
Seitens der Post AG weist man dies zurück. Die Abgeltung sei fair, angemessen und werde auch regelmäßig angepasst – etwa zuletzt aufgrund der gestiegenen Inflation. Zudem habe man viel in die Technik investiert. Neben einem Fixum gebe es für „jeden Handgriff“ eine Provision. Der Postpartner sei vor allem als Zusatzgeschäft, beispielsweise für Nahversorger, gedacht. Man schaue sich auch gemeinsam mit dem Partner an, welches Einzugsgebiet Sinn macht. Wenn es in einer Gemeinde keinen Nahversorger oder Ähnliches mehr gebe, stelle sich die Frage, wer sonst noch diese Aufgabe übernehmen könne.
Dividenden für Aktionäre
Hoffmann sieht die Problematik aber vielschichtiger: Die Postpartner seien die Folge des „Totalausverkaufs“ der Republik unter Schwarz-Blau Anfang der 2000er-Jahre, als Post, Telekom, Voestalpine und weitere (teil-)privatisiert wurden. Das Ergebnis sei, dass die Post-Aktionäre heuer rund 124 Millionen Euro Dividenden ausgeschüttet bekommen hätten, während die Gemeinden trotz klammer Budgets Geld bei den Postpartnern zuschießen müssten, ärgert sich Hoffmann.
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