Zu seiner ganzjährigen Geburtstagsfeier zum 50er hat sich Trompeter Thomas Gansch beim Konzert seiner Band „Gansch & Roses“ zum Jahresende ein paar ganz besondere Meister seines Fachs und Kollegen geladen. Einer davon ist der australische Multiinstrumentalist James Morrison.
Mit dem jubilierenden Trompeter-Kollegen Thomas Gansch verbindet James Morrison schon seit vielen Jahren eine nicht nur musikalische Freundschaft. Er bewundere seine Musikalität, seine Virtuosität und seine ungeheure Kreativität, beschreibt Morrison im Interview mit der „Krone“ und hebt auch Thomas Ganschs Eigenschaft hervor, ihn zu überraschen: „Genau dann, wenn Du glaubst, verstanden zu haben, was er musikalisch ist – macht er etwas Neues, etwas ganz Anderes. Das begeistert mich immer wieder!“
Dann ist da natürlich noch der Humor und Witz, den die beiden in hohem Maße gemeinsam haben – in der Musik und überhaupt und den Morrison besonders zu schätzen weiß, sieht er doch dahinter den ernsthaften Spieler und profunden Kenner des Instruments. Ein Faktor, der ihn zunächst durchaus einschüchterte, als er den österreichischen Kollegen das erste Mal mit seinen „Gansch & Roses“ im Porgy & Bess in Wien spielen hörte.
Das Gespräch nach der Vorstellung zeigte schnell die vielen Gemeinsamkeiten – und so begannen die Freundschaft und viele gemeinsame Auftritte. Und im Porgy & Bess ist James Morrison seither auch selbst schon oft aufgetreten und mischt sich bisweilen sogar unerkannt ins Publikum.
„Ich möchte alles auf einmal!“
Eine weitere Gemeinsamkeit mit Thomas Gansch ist übrigens die Verbundenheit mit dem oberösterreichischen Instrumentenbauer Schagerl, den Morrison bei einer Österreich-Tour durch einen Werksbesuch eher zufällig kennenlernte – und von dem er sofort begeistert war: „Nicht nur die rein technische Seite der Instrumente, die alle handgefertigt werden“, erzählt er, „sondern auch die Philosophie dahinter: Sie arbeiten gemeinsam mit Musikern immer an Verbesserungen.“
Also wechselte Morrison zu Schagerl-Instrumenten und ist seither seinem neugierigen Naturell entsprechend auch aktiv an der Entwicklung von Instrumenten beteiligt, testet, gibt Anregungen und Ideen für Variationen wie beispielsweise eine Posaune, die sowohl mit Zug als auch mit Ventil zu spielen ist – die „Superbone“. „Ich möchte alles auf einmal“, erklärt Morrison, „damit ich die größte Freiheit im Ausdruck habe.“ Das tut der überaus freundliche und unprätentiöse Mann mit höchster Virtuosität und überschwänglichem Spielwitz.
Auftritt mit 13 im Nachtclub
In einem eher kleinen Ort in Südostaustralien 1962 geboren, hörte James Morrison zunächst vor allem Orgelmusik, die seine Mutter in der Kirche spielte, in der sein Vater Methodistenpastor war. Nach der Übersiedlung nach Sidney erlebte er siebenjährig die Blasmusikkapelle der Schule – und es war um ihn geschehen. Anstelle der gewünschten Posaune musste er sich allerdings zunächst mit dem kleineren Kornett abfinden, das ihn schließlich zur Trompete führte.
Das erste eigene Jazzquartett, mit dessen Auftritten am Wochenende vor dem Einkaufszentrum bereits eine kleine Entlohnung verbunden war, folgte mit neun Jahren und mit 13 Jahren begann er mit professionellen Bands in Nachtclubs zu spielen. Rechtlich war das möglich, da die Bühne nicht zum Barbereich zählte – und die Eltern wussten, dass sie ihn ohnedies nicht davon abhalten konnten. „Ich wollte einfach Musik spielen!“ betont Morrison.
In Australien entdeckte ihn auf Empfehlung seiner Lehrerin am Musikkonservatorium in Sidney bald der Saxophonist Dan Burrows und nahm ihn in seine Band auf. Der internationale Erfolg stellte sich nach einer kleinen Durststrecke in New York immerhin Anfang 20 ein – und gibt dem Universalmusiker genau diese Freiheit, alles das zu tun, was er mit großer Freude tut. Das ist freilich in erster Linie die Musik – spielen, schreiben, erforschen und Neues entwickeln und die Begeisterung weiterzugeben.
Darüberhinaus fliegt er mit Leidenschaft Flugzeuge der unterschiedlichsten Größen, baut Hausboote, fährt hin und wieder Ralleys und ist Ehemann und Vater dreier erwachsener Söhne, von denen zwei in seinem aktuellen Quartett spielen. Seine Erkenntnis: „Ich habe großes Glück!“
Energiegewinn aus dem Überschwang
Die umfassende Menge an Tätigkeiten, denen sich James Morrison widmet, scheint geradezu manisch hyperaktiv und lässt einen manchmal fast atemlos zurück. Aber einem Trompeter geht der Atem nicht so schnell aus, auch wenn er mehr als 20 Instrumente spielt und das alles mit großer Hingabe tut. Denn daraus gewinnt er immer wieder neue Energie – für neue Projekte und manchmal durchaus verrückte Ideen.
Das Morrison Universum ist grenzenlos: Jazz, Pop, Rock oder Klassik – es gehe um Musik und keine Schubladen, stellt er fest, und dabei geht es immer auch um die Freiheit und Spontaneität, die der Jazz ermögliche. Das ist für ihn essenziell. Dafür beschäftigt er sich schon seit einiger Zeit mit der indigenen Musiktradition und arbeitet mit deren Musikern zusammen, derzeit in einem Projekt mit einem klassischen Pianisten, einem Schlagzeuger und einem Didgeridoo-Spieler- um gemeinsam neue, freie Wege zu gehen. Und diesen Klang demnächst auch in Europa hören zu lassen.
Spielen, spielen, spielen
Von zu viel Theorie, zu viel Studieren und zu viel Üben hält Morrison wenig: Bei ihm geht es immer und zuerst ums Musikspielen: „Wenn Du viel übst, wirst Du gut im Üben“, so sein Argument: „Wenn Du viel spielst, wirst Du gut im Spielen. Und Du wirst immer besser!“ Eine Melodie nachzuspielen, die einem gefällt und die eine bestimmte Stimmung und Emotion erzeugt, sei der erste Schritt, um Neues zu lernen.
Im nächsten Schritt lerne man den strukturellen und den theoretischen Hintergrund – und dann: Spielen, spielen, spielen. Ähnliches riet ihm Dizzy Gillespie vor etwa 50 Jahren: „Er erklärte: Du musst alle Tonleitern, Variationen, Arpeggios, Bebop-Hits, usw. lernen -und dann sagte er lachend: Dann vergisst Du das alles und spielst einfach!“
Geburtstagskonzerte
Infos unter: www.ganschathome.com
Nach diesem Konzept führte Morrison einige Jahre eine Musikakademie für die Ausbildung junger Musiker in Australien und gibt weiterhin in Workshops und online seinen Zugang, sein Wissen und seine Erfahrungen weiter. Dabei immer im Fokus: Die Musik soll Gefühle erzeugen.
Einen speziellen Geburtstagswunsch für Thomas Gansch hat James Morrison freilich nicht: Man wünscht etwas, was der Andere nicht hat. „Da fällt mir bei Thomas nichts ein“, sagt Morrison und lacht herzlich.
Zur Anreise zu den Geburtstagsauftritten, die am 12. November im Wiener Konzerthaus beginnen, wird er die Steuerung des Flugzeugs übrigens dem professionellen Piloten überlassen.
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