Wiener Staatsoper

Ein neuer Eiserner Vorhang aus alten Holzobjekten

Kultur
30.09.2025 15:14
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der aus Ghana stammende Künstler El Anatsui hat den neuen Eisernen Vorhang der Wiener Staatsoper gestaltet. Dazu vervielfältigte er seine Skulpturen, bis sie einer Gruppe vom Menschen glichen. Im Fokus der Arbeit steht die Verbindung zwischen Menschen und Kulturen.

Im Zuschauerraum wird künftig zurückgestarrt: Der ghanaische Künstler El Anatsui (81) hat den neuen Eisernen Vorhang in der Wiener Staatsoper gestaltet und dafür aus unbelebten Objekten wie Markttabletts und Holzabfällen Skulpturen geschaffen, die menschlichen Figuren gleichen, die der Künstler auf der 176 Quadratmeter messenden Fläche vervielfältigt hat. Die 28. Ausgabe des von museum in progress konzipierten Projekts wurde am Dienstag präsentiert.

Für Staatsoperndirektor Bogdan Roščić ist die heurige Ausgabe der Ausstellungsreihe, bei der eine mit Magneten auf dem „Eisernen“ befestigte, jährlich wechselnde Arbeit das Orpheus und Eurydike zeigende Original verdeckt, eine besondere, wie er bei seiner Rede betonte. So fallen die beiden Gedenkjahre – 80 Jahre Kriegsende und 70 Jahre Staatsvertrag – auch mit der Zerstörung respektive der Wiedereröffnung des Hauses zusammen.

Die Märkte, von denen die Tabletts stammen, sind für El Anatsui „pulsierende Bühnen des ...
Die Märkte, von denen die Tabletts stammen, sind für El Anatsui „pulsierende Bühnen des täglichen Lebens und Austauschs“ und treten nun in den Dialog mit der Staatsoper und ihrem Publikum.(Bild: APA/HANS KLAUS TECHT)

Der damals von Rudolf Eisenmenger (1902-1994) gestaltete Eiserne Vorhang erinnere daran, dass zahlreiche Nazis nach Ende des Krieges ungehindert weiter beschäftigt wurden – so auch an der Staatsoper. Umso wichtiger sei es, sich der Vergangenheit zu stellen und Zeichen des Gedenkens an die Opfer der Naziherrschaft zu setzen, so Roščić.

Mit Erinnerung aufgeladene Objekte
„El Anatsui verbindet in seiner Arbeit seit jeher Menschen und Kulturen“, charakterisierte Kaspar Mühlemann Hartl, Geschäftsführer von museum in progress, die Arbeit des Künstlers. „Objekte haben oft mit Erinnerung zu tun, sie sind durch die menschliche Berührung aufgeladen“, ergänzte Hans-Ulrich Obrist als Teil der Jury. Für den Künstler selbst gibt es in seiner Kreation einen starken Zusammenhang mit Musik, wie er sagte. Die Märkte, von denen die Tabletts stammen, seien „pulsierende Bühnen des täglichen Lebens und Austauschs“, nun treten die „Rhythmen der westafrikanischen Alltagserfahrung“ in den Dialog mit der Staatsoper und ihrem Publikum.

Anatsui wurde 1944 geboren und studierte am College of Art der Kwame Nkrumah University of Science and Technology in Kumasi, ab 1975 lehrte er an der University of Nigeria in Nsukka, wo er sich der Nsukka-Künstlergruppe anschloss. Seine bevorzugten Materialien sind Holz und Ton, mit denen er Objekte kreiert, die auf traditionellen ghanaischen Mythen beruhen. Seine Arbeiten wurden bereits u.a. im Metropolitan Museum of Art in New York, der Biennale in Venedig oder auf der Osaka Triennale ausgestellt. Der von ihm gestaltete Eiserne Vorhang ist bis zum Saisonende im Juni zu bestaunen.

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