Mo, 18. Juni 2018

Schweizer Studie

21.01.2014 09:36

Kokainsucht verdirbt Freude an Sozialkontakten

Kokainsucht verdirbt Freude an Sozialkontakten. Das ist zusammengefasst das Ergebnis einer Schweizer Studie. Demnach empfinden Menschen, die regelmäßig Kokain konsumieren, Sozialkontakte als weniger lohnenswert, was ihre Defizite im Sozialverhalten erklären dürfte. Die Forscher empfehlen daher, bei einer Therapie der Kokainsucht auch soziale Fähigkeiten zu trainieren.

Kokain ist nach Cannabis die am zweithäufigsten konsumierte illegale Substanz. Wie Forscher der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich schon in früheren Studien festgestellt hatten, können Menschen, die die Droge regelmäßig nehmen, sich schlechter in andere Menschen einfühlen oder den emotionalen Gehalt einer Stimme richtig interpretieren.

Schwächeres "Belohnungserlebnis"
Einen möglichen Grund haben nun die Psychologen Katrin Preller und Boris Quednow gefunden, wie die Uni Zürich am Montag mitteilte. Kokain-Konsumenten empfinden demnach ein geringeres Belohnungserlebnis bei Sozialkontakten als Nicht-Konsumenten, wie die Forscher in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften berichten.

Für den Versuch interagierten 80 Kokain-Konsumenten und 63 Gesunde mit einem "Avatar" auf einem Computerbildschirm. Mit diesem sollten sie nach einem vorausgehenden Blickkontakt ein Objekt gemeinsam betrachten. Psychologen sprechen von "geteilter Aufmerksamkeit". Kokain-Konsumenten erlebten dieses soziale Erlebnis als weniger angenehm als Kontrollprobanden.

Die funktionelle Bildgebung des Gehirns zeigte anschließend, dass diese Art des Blickkontaktes einen bestimmten Teil des Belohnungssystems bei Kokain-Konsumenten weniger stark aktiviert. Personen, bei denen dieses Hirnareal weniger stark aktiviert wurde, hatten auch weniger Sozialkontakte.

Verlust von Freunden stoppt Suchtverhalten nicht
Diese Veränderungen der Hirnaktivität könnten laut Preller und Quednow erklären, warum etwa der Verlust der Familie, von Freunden oder des Arbeitsplatzes Kokainabhängige oft nicht vom weiteren Konsum abhält. Dass ihr soziales Netzwerk schrumpft, trage wahrscheinlich auch dazu bei, die Sucht aufrechtzuerhalten.

In der Psychotherapie von Suchtkrankheiten spiele soziale Belohnung eine wichtige Rolle, erklärten die Forscher. Sie schlagen deshalb vor, bei Therapien auch verstärkt soziale Fähigkeiten wie Empathie, Perspektivenübernahme und prosoziales Verhalten zu trainieren, um den langfristigen Erfolg der Therapie zu steigern.

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