Dreistes Vorgehen in einem einst erfolgreichen Handwerksbetrieb: Weil der Chef die Mitarbeiter nur unregelmäßig und teils viel zu spät bezahlte, traten sechs Mitarbeiter aus der Firma aus. Obwohl er sogar auf drei Viertel der Abfertigung verzichtete, musste der letzte verbliebene Tischler für ausgebliebene Zahlungen vor Gericht.
Immer wieder kam es in einem Handwerksbetrieb im Bezirk Waidhofen an der Thaya im Waldviertel vor, dass Löhne nicht zeitgerecht auf den Konten und in den Börsen der Mitarbeiter landeten. Das hatte zur Folge, dass sechs Mitarbeiter aus dem Unternehmen wegen ausbleibendem Verdienst austraten.
Auf Großteil von Abfertigung verzichtet
Auch der treue, letzte Tischler in der Firma zog die Reißleine und wollte gehen, nachdem er im Jänner und Februar 2025 wieder einmal keinen Lohn erhalten hatte. Weil der 59-Jährige einen neuen Job in Aussicht hatte, wollte er die Kündigungsfrist umgehen und bot dafür sogar an, auf drei Viertel seiner Abfertigung – das waren immerhin etwa 42.000 Euro netto – zu verzichten, um einvernehmlich und sofort gehen zu können.
Kein Geld trotz Einigung
Trotz Einigung und Unterstützung der Arbeiterkammer, die der Tischler dann noch einschaltete, blieb der Unternehmer das Geld weiterhin schuldig. Die Fachkraft begann in ihrem neuen Job zu arbeiten, das Geld kam und kam nicht. Dann reichte es dem 59-Jährigen und der Arbeiterkammer – man beschritt den Rechtsweg.
21.000 Euro erstritten
„Leider verzichtet der Mitarbeiter auf drei Viertel seiner Abfertigung. Mit den zwei Löhnen für Jänner und Februar und den aliquoten Sonderzahlungen und Urlaubsersatzleistungen konnten wir für die Fachkraft dennoch 21.000 Euro vor Gericht erstreiten“, betont Sabine Draxler, Leiterin der Arbeiterkammer Waidhofen an der Thaya, dass der Unternehmer aber auch nach dem Urteilsspruch im September nicht gleich bezahlte. Erst bis zum Ende des Jahres beglich der Firmenchef, der nun alleine in seinem Betrieb tätig ist, in vier Teilbeträgen die längst fällige Summe.
Nur weil die Firma in Zahlungsschwierigkeiten ist, darf das kein Chef monatelang auf dem Rücken seiner Mitarbeiter abwälzen. Da geht es um Existenzen!

Sabine Draxler, AK-Bezirksstellenleiterin Waidhofen an der Thaya
Bild: AKNÖ
Arbeiterkammer-Chefin: „Das hatte Methode“
Draxler habe generell Verständnis für Betriebe, in denen es finanziell einmal gerade eng wird, aber: „Das hier hatte aber Methode, deshalb sind auch alle anderen Mitarbeiter gegangen. Nur weil die Firma in Zahlungsschwierigkeiten ist, darf das kein Chef monatelang auf dem Rücken seiner treuen und gutgläubigen Mitarbeiter abwälzen. Denn da geht es schließlich dann auch um die Existenzen seiner Leute!“
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