Unsummen an Hilfen der EU liegen ungenutzt im heimischen Landwirtschaftsministerium, weil man sich dort auf kein Auszahlungsmodell einigen kann: Weinbauern steigen jetzt auf die Barrikaden.
Es gärt im österreichischen Weinbau – und zwar gewaltig: Noch bevor die Lese so richtig beginnt, stehen die Winzer mit dem Rücken zur Wand. Der Markt wankt, die Rotwein-Preise rasseln in den Keller, Krankheiten und Schädlinge wie die amerikanische Rebzikade setzen den Kulturen zu – und in Wien? Dort herrscht auf Polit- und Beamtenebene nur Stillstand.
Während die rot-weiß-roten Winzer jährlich Hunderte Millionen Euro Wertschöpfung erbringen, bleiben dringend benötigte Unterstützungen aus. Besonders brisant: Mehr als fünf Millionen Euro an EU-Hilfen liegen ungenutzt im Landwirtschaftsministerium, weil man sich auf kein Auszahlungsmodell einigen kann.
Scharfe Kritik kommt aus pannonischer Tiefebene
Als Erste schlagen nun die Burgenländer Alarm – aus gutem Grund: Das Burgenland ist ein führendes Weinland, erwirtschaftet allein rund 250 Millionen Euro pro Jahr. Land und Winzer stemmen gemeinsam die Last, das Budget wurde zuletzt erhöht.
Weintourismus-Chef Herbert Oschep bringt es auf den Punkt: „Wir kämpfen Tag für Tag mit dem Markt, während der Bund nicht einmal die Förderungen organisieren kann. Minister Norbert Totschnig muss jetzt dringend seinen politischen Langzeiturlaub beenden!“
Wenn der Bund nicht endlich liefert, steuern wir auf eine Krise zu, die den Weinbau im ganzen Land erschüttern wird.
Herbert Oschep
Bild: Maria Hollunder
Noch unverständlicher wird die Situation im EU-Vergleich: Andere europäische Weinregionen arbeiten längst mit der Kommission in Brüssel an Maßnahmen zur Marktentlastung. Hierzulande herrscht aber ebenfalls Funkstille. Keine einzige Maßnahme soll vom Ministerium umgesetzt worden sein – ein harter Herbst steht den Verantwortlichen bevor, sonst wird nicht nur der Wein sauer.
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