Wegen „bewusster arglistiger Täuschung!“ pocht der Kastellverein Sulz vor Gericht auf die Rückabwicklung des Kaufvertrages. Für Schlossherr Sigurd Hochfellner, der das denkmalgeschützte Gebäude im Bezirk Güssing im Jahr 2018 erworben hat, ist diese Forderung „eine Frechheit“.
Die Vorgeschichte ist rasch erzählt: Um das Kastell Sulz, erbaut im Jahre 1800, vor dem Verfall zu bewahren, wurde das Gebäude samt Grundstück 1980 vom eigens gegründeten Kastellverein erworben und notdürftig in Stand gehalten. 2018 kaufte der Steirer Sigurd Hochfellner, ein angesehener Facharzt für Neurologie und Psychiatrie, das denkmalgeschützte Bauwerk zum kolportierten Schnäppchenpreis von 15.000 Euro – verbunden mit der Auflage, dem Kastell neues Leben einzuhauchen, dort bis spätestens 31. Dezember 2021 ein Kaffeehaus zu eröffnen und Teile des Gebäudes und des Parks der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Das ist bis dato nicht passiert, also hätte Hochfellner dem Verein eine Pönale in Höhe von 500 Euro pro Monat zukommen lassen müssen. Weil die Zahlungen nur schleppend oder gar nicht eintrudelten, drängt Obmann Gerhard Jandrisevits nun wegen „bewusster, arglistiger Täuschung“ auf die Rückabwicklung des Kaufvertrages.
„Das ist aus meiner Sicht eine Frechheit!“, sagt Hochfellner beim zivilgerichtlichen Verfahren in Eisenstadt. Der 65-Jährige, der bereits die baufälligen Kärntner Schlösser Eberstein und Emmersdorf erworben und auf Vordermann gebracht hat, führt die Verzögerung auf die Corona-Pandemie und einen vom Denkmalamt zwischenzeitlich verhängten Baustopp zurück. „Der Verein mit seinen 70 Mitgliedern hat alles verfallen lassen. Es war kein einziges der 45 Fenster drin! Von mir wurden bislang Investitionen und Sanierungsmaßnahmen in erheblichem Umfang getätigt. Wir reden von 370.000 Euro. So viel zum Thema Rückabwicklung.“
Einen Vergleich zu erzielen, scheint unmöglich
Obmann Jandrisevits widerspricht vehement. Es wurden Vertragspunkte einfach nicht eingehalten. Und wahr ist vielmehr, dass der Kastellverein ab dem Jahr 1980 mit Unterstützung der Gemeinde und des Landes 800.000 Euro in diese Ruine investiert hat – neues Dach, Zwischendecken, fehlende Ziegel. Der Herr Doktor hat sich beim Kauf sogar bedankt, dass das Gebäude in so einem guten Zustand ist.“
Der Mediziner unterbreitet Jandrisevits einen Vorschlag: Der Verein möge die Klage zurückziehen und mit ihm gemeinsam bei der Revitalisierung „an einem Strang ziehen. Dann wäre es möglich, dass das Kastell in sechs Jahren ein durchschnittliches österreichisches Landschloss ist“. Antwort: „Ich kann nicht mehr daran glauben, dass mit Hochfellner noch ein Pakt möglich ist.“
„Das Wort der Republik schafft selten Frieden“
Nun meldet sich die Richterin zu Wort und spricht von verhärteten Fronten. „Wie ich das sehe, ist dieses Verfahren im nächsten halben Jahr längst nicht abgeschlossen. Und dann wird es vermutlich wieder einmal heißen: Selten schafft das Wort der Republik Frieden und heilt alles.“
Am 25. November trifft man einander wieder. Aussagen sollen auch der Sulzer Bürgermeister und ein Sachverständiger, der die von Hochfellner getätigten Investitionen bewerten soll.
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