Trauer um Renee Good
Witwe: „Wir hatten Pfeifen, sie hatten Waffen“
„Wir hatten Pfeifen, sie hatten Waffen.“ Mit diesem einen Satz beschreibt Becca Good den Moment, der ihr Leben für immer zerstörte. Ihre Ehefrau Renee Nicole Good (37) wurde bei einem Einsatz der US-Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis erschossen. Zurück bleibt eine Familie in tiefer Trauer und ein Land in Aufruhr. Die Regierung reagiert mit neuen Entsendungen – hundertfach, wie es heißt.
Renee Good war vieles: Dichterin, Mutter von drei Kindern, Ehefrau – und für die Menschen, die sie kannten, „pures Sonnenlicht“. So beschreibt ihre Witwe Becca Good ihre getötete Frau in einem emotionalen Statement. „Sie funkelte. Es war, als käme Licht aus jeder Pore“, sagt sie. Freundlichkeit sei ihre größte Stärke gewesen – Mitgefühl ihr Lebensprinzip.
Sie wollte helfen – und bezahlte mit ihrem Leben
Am 7. Jänner waren Renee und Becca Good unterwegs, um ihre Nachbarn zu unterstützen, als sie auf einen ICE-Einsatz im Süden von Minneapolis stießen. Sie wollten Präsenz zeigen, Solidarität ausdrücken. Sie hatten Trillerpfeifen. Die Beamten hatten Schusswaffen. „We had whistles. They had guns.“
Becca Goods rührende Worte über ihre erschossene Frau verbreiteten sich in den sozialen Medien – auch in diesem Beitrag:
Was genau dann geschah, ist umstritten. Laut Behörden soll Renee Good mit ihrem Auto die Straße blockiert und sich Anweisungen widersetzt haben. Als sie den Wagen in Bewegung gesetzt habe, habe ein ICE-Beamter aus Notwehr geschossen. Mindestens zwei Kugeln trafen die 37-Jährige, eine davon tödlich. Im Krankenhaus wurde sie für tot erklärt.
Regierung macht getöteter Frau Vorwürfe
Nach Angaben der Behörden hatte Good bei einem ICE-Einsatz die Straße mit ihrem Auto blockiert. Ein ICE-Beamter näherte sich zu Fuß, ging um Goods Wagen herum und filmte auch, wie sie ihn ansprach. Der Anweisung eines anderen Beamten, aus dem Wagen auszusteigen, folgte sie nicht, stattdessen setzte sie den Wagen in Bewegung. Daraufhin fielen mindestens zwei Schüsse. Die 37-Jährige erlitt eine Kopfverletzung und wurde im Krankenhaus für tot erklärt.
Das Heimatschutzministerium – zu dem ICE gehört – sowie US-Präsident Donald Trump warfen Good vor, versucht zu haben, den Beamten zu überfahren, der wiederum aus Notwehr gehandelt habe. Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, widersprach der Darstellung der Schüsse als Selbstverteidigung und verlangte eine transparente Untersuchung. Er forderte die Behörde ICE zudem auf, die Stadt zu verlassen. Auf Videos des Vorfalls ist der ICE-Beamte links neben dem Wagen zu sehen, der nach rechts abdreht – also von ihm weg –, als er schießt.
Tausende demonstrieren – landesweite Proteste
Der Tod von Renee Nicole Good hat eine neue Protestwelle ausgelöst. Allein in Minneapolis gingen am Samstagabend Tausende Menschen friedlich auf die Straße. Am Ort der tödlichen Schüsse legten Trauernde Blumen nieder, zündeten Kerzen an, hielten Mahnwachen ab.
Landesweit kam es laut US-Medien in mehr als 1000 Städten zu Demonstrationen – darunter New York, Los Angeles, Washington, Portland und San Antonio. Unter dem Motto „ICE Out For Good“ forderten Bürgerrechts- und Migrantenorganisationen ein Ende der ICE-Einsätze und strafrechtliche Konsequenzen für den beteiligten Beamten.
„Sie glaubte an das Gute im Menschen“
Renee Good war eine weiße US-Staatsbürgerin, Christin und fest davon überzeugt, dass alle Religionen dieselbe Botschaft tragen: einander zu lieben, füreinander zu sorgen und einander zu schützen. „Sie war pure Liebe. Pure Freude. Purer Sonnenschein“, sagt ihre Frau.
Zurück bleiben drei Kinder im Alter von sechs, zwölf und 15 Jahren – und ihre trauernde Witwe, die nun darum bittet, mit ihrer Familie in aller Stille trauern zu dürfen.
Ebenfalls in Minneapolis war 2020 der Afroamerikaner George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz getötet worden. Das löste im ganzen Land Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt aus.
ICE bekommt Unterstützung
Die Trump-Regierung lässt sich durch neuerliche Proteste freilich nicht beeindrucken. Sonntagabend gab man bekannt, Hunderte weitere Sicherheitskräfte nach Minnesota zu entsenden. Sie sollten die bereits in dem US-Staat stationierten ICE-Beamten schützen.










Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.