Di, 21. August 2018

Von Jury in Graz

05.12.2013 07:46

"Frankschämen" zum Wort des Jahres gekürt

"Frankschämen" ist das Wort des Jahres 2013 in Österreich. "Es beschreibt in treffender Kürze das Befremden vieler Bürger über das Verhalten eines spätberufenen Parteigründers bei seinen öffentlichen Auftritten", begründete die Fachjury unter Leitung von Professor Rudolf Muhr von der Forschungsstelle Österreichisches Deutsch der Universität Graz die Wahl. Unwort 2013 wurde "inländerfreundlich".

"Frankschämen" - sprich "fränkschämen" - sei eine originelle Abwandlung des Neuwortes "fremdschämen", das übrigens 2011 zum Wort des Jahres gekürt wurde. Auf den Plätzen des Rankings landeten "Lauschangriff" (Ausdruck für die Aktivitäten diverser Geheimdienste, welche die Staatsbürger flächendeckend belauschen und so die bürgerlichen Freiheiten massiv aushöhlen) und "enkelfit" (Wortschöpfung, die "auf sehr knappe und klare Weise" die Idee der Nachhaltigkeit des Pensionssystems ausdrückt).

"Inländerfreundlich" als Unwort 2013
Zum Unwort des Jahres ("inländerfreundlich") hieß es: "Dieses an sich positive Wort wurde im Nationalratswahlkampf 2013 von einer wahlwerbenden Partei verwendet. Im gegenwärtigen politischen Zusammenhang ist damit jedoch das Gegenteil, nämlich die verhüllte Bedeutung 'ausländerfeindlich' gemeint."

Auf Platz zwei in Sachen Unwort schaffte es "Arbeitszeitflexibilisierung". "Harmlos scheinendes Wort, mit dem euphemistisch verschwiegen wird, dass damit massive Einkommensverluste für Arbeitnehmer verbunden sind", so die Begründung. Die "Begegnungszone" machte das Rennen um Platz drei: "Positives Wort, das durch die missglückte Umgestaltung der Fußgängerzone in der Mariahilfer Straße in Wien lokal eine unerfreuliche Nebenbedeutung bekommen hat."

Jugendwort des Jahres: "whatsappen"
Als Jugendwort setzte sich "whatsappen" - entstanden durch die rasante Verbreitung der Internet-App "Whatsapp", die besonders von Jugendlichen für den sozialen Austausch verwendet wird und in dieser Gruppe das SMS weitgehend verdrängt hat - vor "YOLO" (Abkürzung für "you only live once") und "chüün" durch. Zu Letzterem heiß es: "Aus dem Englischen 'to chill' entlehntes und im österreichischen Deutsch völlig integriertes Lehnwort mit der Grundbedeutung "entspannen", das an die österreichische Alltags-Aussprache angepasst wurde und eine wichtige Einstellung von Jugendlichen ausdrückt."

"Ich wähle die NSA, die interessieren sich wenigstens für mich!", wurde zum Spruch des Jahres auserkoren. "Das ist kein Anlass aufzugeben" folgt auf Platz zwei. Dies sei ein "bewundernswerter Kommentar von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer auf die Frage, ob ihre Krebserkrankung ihre berufliche Tätigkeit beeinträchtigen werde", begründete die Jury.

Unspruch des Jahres: "Es gibt kein Budgetloch"
Zum Unspruch Nummer eins wurde: "Es gibt kein Budgetloch. Es gibt nur Einnahmen und Ausgaben, die auseinanderklaffen." Die Jury dazu: "Mit dieser Aussage bagatellisierte ein hochrangiger österreichischer Politiker den plötzlich aufgetretenen, enormen Fehlbetrag im Staatshaushalt."

Dahinter landete "Österreich ist abgesandelt", ein den Experten zufolge "pauschalisierender und damit problematischer Ausspruch eines österreichischen Wirtschaftspolitikers zu Beginn des Wahlkampfs 2013, mit dem überschießende Kritik an der österreichischen Wirtschaftslage geübt wurde".

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