Der Vorarlberger Dialekt hat bekanntlich seine Eigenarten, insbesondere im Osten Österreichs versteht man nicht immer, was einem der Alemanne sagen will. Der Kabarettist und Autor Stefan Vögel will mit „Vögels Lexikon“ Abhilfe schaffen und Brücken bauen. Heute geht es um die Redewendung „g‘rüscht si“.
Bereit sein, wenn es soweit ist, egal worum es sich dabei im Einzelfall handelt: das ist ein Lebensentwurf, dessen Einhaltung sich die meisten Alemannen prominent auf ihre Fahne geschrieben haben und den sie auch über Generationen an ihre Nachfahren weitergeben.
Dieses Sich-Einstellen auf eine sich verändernde, vorab aber mitunter unbekannte Umwelt destilliert der Voradelberger sprachlich in zwei eingängige Worte: g‘rüscht si (gerüstet sein).
Während gerüstet sein im Hochdeutschen jedoch fast immer dramatische Zustände oder schwerste Prüfungen ankündigt, gegen die sich der Mensch wappnen muss (zum Beispiel gerüstet sein für einen Gewittersturm, eine Flut, einen Krieg oder ein ähnlich herausforderndes Ereignis), so findet das g‘rüscht si im Alemannischen auch bei völlig alltäglichen, ja fast banalen Dingen seinen sprachlichen Niederschlag.
„Bist g‘rüscht?“, fragt die Mutter ihr Kind, und sie meint damit nichts anderes als: „Bist du fertig angezogen und bereit, außer Haus zu gehen?“
Etwas ernster und bewusster nimmt der Voradelberger sein g‘rüscht si bei Bedürfnissen und Aufgaben wahr, die sich aus dem Wandel der Jahreszeiten ergeben („I ha‘s Holz scho unter Dach – mir sind g‘rüscht für a Winter!“) oder auch aufgrund sich ändernder Lebensumstände, die nun bald auf ihn zukommen und auf welche er physisch und psychisch ausreichend vorbereitet zu sein meint („Nöchst Wocha fangen mr a baua. Mir sind g’rüscht!“).
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