Mysterium enträtselt

Anthrax kann sich tagelang in Zellen verstecken

Wissenschaft
14.11.2013 18:00
Ein internationales Forscherteam hat jetzt eine Erklärung dafür gefunden, warum das Gift Anthrax auch Wochen später noch tödlich wirkt: Das Toxin der Milzbrand-Bakterien (Bild) kann sich innerhalb der Zellen verstecken und später weitere Zellen befallen, berichten die Wissenschaftler im Fachjournal "Cell Reports".

Anthrax oder Milzbrand ist eine Bakterien-Erkrankung, die vor allem Huftiere betrifft, aber auch für Menschen höchst gefährlich ist. Das Toxin ist besonders heimtückisch: Wird es eingeatmet, liegt die Todesrate ohne Behandlung bei 90 Prozent.

Tödliche Wirkung auch noch nach Wochen
Dazu kommt, dass Betroffene noch bis zu zwei Wochen, nachdem alle Erreger mit Antibiotika abgetötet wurden, daran sterben können. "Warum dies so ist, war 50 Jahre lang ein Mysterium", wurde Studienleiterin Gisou van der Goot von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Lausanne am Donnerstag einer ETH-Mitteilung zitiert.

Dieses Rätsel konnte ihr Team nun zusammen mit US-Kollegen lösen, indem sie erstmals den ganzen Weg des Anthrax-Toxins ins Zellinnere nachverfolgten. Das Gift kann demnach nicht nur einen Eintrittskanal durch die Zelloberfläche öffnen, sondern sich auch mittels einer Art Einstülpung der Zellmembran in kleinen Bläschen in die Zelle einschleusen.

Gift ist für Immunsystem unsichtbar
In diesen Bläschen kann das Toxin mehrere Tage überdauern, wie die Forscher zeigten. Dann kann es in die Zelle austreten und diese zerstören oder bei der Zellteilung sogar in die Tochterzellen übergehen und auch diese infizieren. Für das Immunsystem ist das Gift unsichtbar, da die Bläschen aus normalem Zellmaterial bestehen, erklärte Van der Goot.

Diese Erkenntnisse erklären, warum Anthrax so tödlich ist, schreiben die Forscher. "Indem wir diese Wechselwirkungen erforschen, lernen wir mehr darüber, wie wir Anthrax-Infektionen bekämpfen können", sagte Van der Goot. Außerdem helfe die Forschung, Vorgänge des Zelltransports besser zu verstehen.

Anthrax kann als Biowaffe eingesetzt werden
Menschen infizieren sich extrem selten mit Anthrax, und wenn dies geschieht, dann zu 95 Prozent durch Hautkontakt mit erkrankten Tieren oder Teilen davon. Die Inhalation der Bakteriensporen ist besonders gefährlich. Diese können als Biowaffe eingesetzt werden, wie es 2001 in den USA über Briefe geschah. 23 Menschen erkrankten damals, fünf starben.

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