Hungern für Junge

Bärenmütter halten zum Schutz des Nachwuchses Diät

Wissenschaft
24.10.2013 10:51
Weil männliche Braunbären in der Paarungszeit versuchen, die (nicht-verwandten) Jungen von weiblichen Tieren zu töten, um sich danach mit der Mutter zu paaren, gehen Bärenmütter mit Nachwuchs ihnen aus dem Weg. Dabei, so haben Forscher jetzt herausgefunden, müssen sie auch die besten Futterplätze meiden - sie nehmen für die Sicherheit ihrer Kinder eine Ballaststoffdiät in Kauf.

Braunbärenmütter versuchen, den Kindesmord zu vermeiden, und umgehen daher mit ihrem Nachwuchs alte männliche Bären in Zeit und Raum. Durch dieses Verhalten werden sie aber auch von den besten Nahrungsquellen abgeschnitten, weil sich die männlichen Bären genau dort bevorzugt aufhalten. Muttertiere müssen daher in der Paarungszeit im Frühling und Frühsommer trotz der hohen Kosten der Jungenaufzucht mit schlechteren Ressourcen auskommen.

Österreichische und norwegische Forscher um Andreas Zedrosser, der am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien und an zwei norwegischen Universitäten arbeitet, beobachteten zwölf kinderlose Bärinnen, elf erwachsene Männchen und neun Bärenmütter in den Wäldern Schwedens. Zwei Müttern wurden dabei in der Paarungszeit die Kinder ermordet, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Biology Letters".

Bärinnen hungern für den Nachwuchs
Außerdem untersuchten sie die Hinterlassenschaften der Braunbären. Während der Paarungszeit fanden sie bei den Müttern mit Jungbären mehr Ballaststoffe und weniger Eiweiß im Kot als bei kinderlosen Bärinnen. Die Mütter mussten sich also offensichtlich gerade in der anstrengenden Phase mit kleinen Jungbären mit energieärmerer Kost begnügen und so einen Preis für das Wohl ihrer Jungen zahlen, erklärten die Forscher.

War die gefährliche Zeit allerdings vorbei, holten sich die Bärenmütter, was ihnen zuvor entgangen war, und speisten eiweißreicher als die kinderlosen Weibchen. Aber auch die männlichen Bären fraßen während der Paarungszeit weniger energiereiche Kost als die "freien" Weibchen, denen sie nachstellten. Vielleicht ist ihnen Sex in diesen Tagen wichtiger als gutes Futter, meinen die Forscher.

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