Welle der Empörung
F: Schüler-Proteste nach Abschiebung von Kosovarin
Das kosovarische Roma-Mädchen Leonarda, das seit mehreren Jahren in Ostfrankreich lebt, befand sich auf einem Schulausflug, als sie von Polizisten abgefangen und mitsamt ihrer Familie, deren Asylantrag zuvor abgelehnt worden war, abgeschoben wurde. Der Vorfall ereignete sich schon am 9. Oktober, wurde aber erst diese Woche bekannt.
Eingänge an rund 20 Gymnasien blockiert
An rund 20 Gymnasien der französischen Hauptstadt blockierten Schüler am Donnerstag die Eingänge, wie die Schulbehörde mitteilte. Schüler zogen zudem zu einer Demonstration an der Place de la Nation. Der Protest richtete sich nicht nur gegen die Abschiebung der 15-Jährigen, sondern auch gegen weitere Abschiebungen von Schülern ohne Aufenthaltserlaubnis in Frankreich.
Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem mahnte indes im Sender RTL erneut, den Ausgang der Untersuchung zur Abschiebung abzuwarten. Sollte die Abschiebung sich aber tatsächlich so abgespielt haben wie geschildert, wäre dies "äußerst schockierend".
Sozialisten bangen um "Seele" der Partei
Wegen des Vorgehens der Behörden im Fall Leonarda geriet Innenminister Manuel Valls mittlerweile auch aus den eigenen Reihen unter Beschuss. Der sozialistische Parlamentspräsident Claude Bartolone mahnte, seine Partei drohe ihre "Seele" zu verlieren. Bildungsminister Vincent Peillon sagte, die Schule müsse "unantastbar" bleiben. Valls betonte unterdessen, bei der Abschiebung seien "Recht und Personen respektiert" worden, ordnete aber zugleich eine behördliche Untersuchung des Vorgangs an.
Die Linkspartei forderte den Rücktritts Valls', der bereits vor wenigen Wochen für Empörung gesorgt hatte, als er den Integrationswillen der meisten in Frankreich lebenden Roma anzweifelte. Auch im linken Flügel der Sozialisten wurden vereinzelt Rücktrittsforderungen gegen Valls laut. Dort sorgt die harte Haltung des Ministers in der Sicherheitspolitik und beim Umgang mit Roma schon seit geraumer Zeit für Unmut.













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