GUTEN MORGEN

ESC-Euphoriedämpfer | Singen statt plappern

ESC-Euphoriedämpfer. Gerade noch schwappte die (nicht ungeteilte) Freude über den österreichischen Sieg beim Song Contest am Wochenende über das Land samt folgendem Wettbewerb heimischer Städte von Wien über Graz, Innsbruck, Wels bis Oberwart um die Ausrichtung im kommenden Jahr hierzulande - und schon folgt ein schwerer Euphorie-Dämpfer. Denn Countertenor Johannes Pietsch alias JJ, der große Sieger in der Nacht auf Sonntag, singt nicht nur hoch, sondern plappert auch tief. JJ spricht sich in einem Interview mit einer spanischen Zeitung dafür aus, Israel wegen des Feldzuges gegen die Hamas aus dem ESC im nächsten Jahr in Österreich auszuschließen. „Es ist sehr enttäuschend, dass Israel noch am Wettbewerb teilnimmt. Ich würde mir wünschen, dass der Eurovision Song Contest nächstes Jahr in Wien stattfindet – ohne Israel.“ Und er zieht, besonders übel, auch noch Parallelen zwischen Israel und Russland. Was für ein Ausrutscher!

Singen statt plappern. Israel aus dem ESC auszuschließen, das hatte auch schon der Schweizer Vorjahressieger Nemo vor dem Wettbewerb in Basel gefordert. Es gehört in manchen Kreisen, selbst in Teilen der ach so weltoffenen „queeren community“ offensichtlich zum guten Ton, Israel mit aller Härte zu verurteilen. Da spielt es nicht einmal eine Rolle, wenn die spätere ESC-Zweite Yuval Raphael selbst Überlebende des barbarischen Hamas-Massakers am 7. Oktober 23 ist. Was Israel, was die Regierung Netanyahu als Reaktion auf dieses Massaker seither mit dem Feldzug im Gazastreifen an menschlichem Leid anrichtet – ja, das ist absolut nicht hinzunehmen. Aber nicht hinzunehmen sind auch völlig überschießende antijüdische Wortmeldungen aus Österreich, wie jetzt jene des 24-jährigen Song-Contest-Siegers. Dem könnte man gerade noch milde jugendliche Unbedarftheit zugutehalten. Das kann man beim 86-jährigen Altbundespräsidenten Heinz Fischer, der für eine höchst zweifelhafte Wortmeldung gerade erst heftige Kritik aus Israel erntete, nicht. Dem Musiker kann man wenigstens empfehlen: Besser singen als plappern!

Kommen Sie gut durch den Freitag!

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