7 Monate in der Luft

Alpensegler können beim Fliegen offenbar schlafen

Wissenschaft
08.10.2013 17:01
Europäische Alpensegler verbringen bis zu sieben Monate des Jahres fast ausschließlich in der Luft und dürften dabei sogar im Fliegen schlafen können, wie Schweizer Forscher nun herausgefunden haben. Die Zugvögel - sie sind vor allem in Süd- sowie Mitteleuropa verbreitet - verlassen im September ihre Brutplätze, um nach Afrika zu ziehen. Doch auch die Zeit in ihrem Winterquartier verbringen die galanten, wendigen Segler überwiegend in der Luft, schrieb das Team um Felix Liechti im britischen Journal "Nature Communications".

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler vom Ornithologischen Institut in Sempach sechs Tiere in der Schweiz mit Sendern und Sensoren zur Überwachung der Körperaktivitäten ausgestattet. Nach ihrer Rückkehr an die Schweizer Brutstätten konnten die Daten von drei dieser Alpensegler (Tachymarptis melba) ausgewertet werden.

Alpensegler beinahe ununterbrochen in der Luft
Bis zu sieben Monate waren die Vögel demnach fast ununterbrochen in der Luft, nur Stopps von wenigen Minuten schließen die Forscher nicht aus. Ganz überraschend sind die Erkenntnisse über die Langzeitflieger nicht. Schon länger vermuteten Ornithologen, dass es Vögel gibt, die einen Großteil ihres Lebens in der Luft verbringen. Bisher fehlte für diese Vermutung allerdings der wissenschaftliche Beweis.

Die meisten Vögel machen nach der Jagd oder einer langen Wanderung auf dem Boden oder dem Wasser Rast, um zu regenerieren. Die Fortbewegung in der Luft gilt nämlich als energieaufwendiger als die auf der Erde oder dem Wasser. In der Luft fehlt eine passive Stabilität, die das eigene Körpergewicht trägt. Die Vögel müssen deshalb ihre Position immer wieder an die Luftströmung anpassen.

"Längere Schlafphasen am Boden nicht nötig"
Erholung und Regeneration - so die Annahme der Forscher - dürften die Alpensegler im Flug finden und, was mindestens ebenso erstaunlich ist, sogar schlafen. Unterstützt wird diese Annahme durch die Messung von Bewegungen und Körperaktivitäten. So stellten die Forscher eine Abnahme des Flügelschlags innerhalb der Nacht fest. "Zusätzliche längere Schlafphasen am Boden scheinen aber die Alpensegler nicht nötig zu haben", schrieben die Forscher in ihrem Artikel.

Dabei galt das Fliegen lange als eine Fortbewegung, die vor allem aktive Kontrolle voraussetzt und damit längere Ruhephasen nicht erlaubt. Bisher war die Verknüpfung von Bewegung und Schlaf den Angaben zufolge nur von Meerestieren wie Delfinen bekannt.

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