19.07.2013 15:42 |

Videospielgeschichte

30 Jahre NES: Gaming-Pionier Nintendo im Wandel

Mitte Juli 1983 verkaufte Nintendo in Japan den ersten Famicom - jene Spielkonsole, die anderthalb Jahre später in überarbeiteter Form international als Nintendo Entertainment System, kurz NES, in den Handel kommen, Nintendo zur Videospiel-Großmacht machen und eine ganze Branche nachhaltig verändern sollte. Der Rest ist Videospielgeschichte. krone.at erzählt sie.

Selbst heute, 30 Jahre nach dem Japan-Start, sorgt das NES bei Gaming-Enthusiasten der ersten Stunde noch für leuchtende Augen. Allerdings die oben zu sehende US-Variante. Das Japan-Original war rot-weiß, setzte auf andere Kassetten und hatte fix verkabelte Controller. Das Design wurde für den US-Start 1985 überarbeitet – ein Start in einen Videospielemarkt, der nach einer großen Flaute Anfang der Achtziger am Boden lag.

Auf der Consumer Electronics Show 1985 wurde das NES in seiner US-Form erstmals gezeigt - damals noch mit ein paar Extras wie kabellosen Controllern, die es nicht in das Massenprodukt schafften. Unter den 18 Starttiteln im Herbst desselben Jahres: "Super Mario Bros." Die Spiele: jenen des damals dominierenden US-Systems Atari 2600 überlegen. Nicht nur wegen der Technik, auch wegen der Art, wie Nintendo die Spiele vertrieb, berichtet "Ars Technica". Games mussten einen Zertifizierungsprozess durchlaufen, Atari-Games wie "E.T." konnten ihnen optisch und spielerisch nicht das Wasser reichen.

Marktbeherrschendes NES mit starkem Nachfolger
So kam es, dass der japanische Neuankömmling den US-Markt im Sturm eroberte und mit seiner insgesamt rund 62 Millionen Mal verkauften 8-Bit-Konsole eine marktbeherrschende Stellung einnahm. Anderswo, in Europa zum Beispiel, teilte man sich den Markt mit Segas Master System, aber in Japan und den USA hatte Nintendo das Sagen - und baute einen erstaunlichen Fundus an Helden der Videospielgeschichte auf. Mario und "Zelda"-Held Link gehören wohl zu den Bekanntesten, Samus Aran aus "Metroid" oder Donkey Kong zur zweiten Garde. Es sind Helden, die Nintendos Spiele seit Jahrzehnten begleiten und auf so gut wie allen seither veröffentlichten Konsolen zu sehen waren.

Bei der Markteinführung des Super Nintendo Entertainment Systems (SNES) mit 16-Bit-Prozessor im Jahr 1989 waren es wohl auch diese zugkräftigen Pixelhelden, die den 49 Millionen Mal verkauften NES-Nachfolger gegen Segas Herausforderer Megadrive bestehen ließen und ihn zum guten Geschäft für Nintendo machten. Zumindest bis Konkurrent Sony fünf Jahre später mit seiner 32-Bit-Konsole, der PlayStation, auf den japanischen Markt vorpreschte, um ihn mit 3D-Games zu erobern. Nintendos Antwort: der 1995 erschienene Nintendo 64 (N64), die erste Konsole mit 64-Bit-CPU. Übrigens: Alle historischen Nintendo-Konsolen gibt's oben als Bilder zum Durchklicken.

Nintendo geriet beim Wechsel auf 3D ins Hintertreffen
Die Mitte der Neunziger war ein Wendepunkt für das bis dahin recht sorgenfreie Nintendo. Sega mit dem Saturn und Sony mit der PlayStation hatten schon 1994 begonnen, den Markt für 3D-Spiele unter sich aufzuteilen, viele neue Videospielmarken traten auf den Plan. "Tekken", "Tomb Raider" - neue Helden eroberten die Spielerherzen. Mario und Yoshi, so schien es, kamen mit Verspätung in der 3D-Ära an. Die marktbeherrschende Stellung musste Nintendo zusehends mit Sony teilen - Sega war der kleinere Konkurrent.

Erwähnenswert: Nintendo setzte beim N64 als letzter Konsolenhersteller auf die zuvor noch üblichen Spielkassetten. Das hatte Nachteile - zum Beispiel einen gegenüber einer CD deutlich reduzierten Speicherplatz und höhere Produktionskosten, die sich auch im Preis niederschlugen. So kam es, dass viele Spieler zur Konkurrenz wechselten. Das N64 wurde nur 33 Millionen Mal verkauft. Immer noch O.K., aber kein Vergleich zum NES und SNES - und nur ein Drittel jener Menge, die Sony von seiner PlayStation verkauft hat. Nintendo wurde binnen weniger Jahre vom Herrscher zum Nachzügler auf dem Konsolenmarkt.

Alte und neue Konkurrenten im neuen Jahrtausend
Erst recht, als Sony zur Jahrtausendwende kurz nach Segas Dreamcast mit seiner PlayStation 2 die zweite 128-Bit-Konsole auf den Markt brachte und Nintendo mit seinem Gamecube erst ein Jahr später zur neuen Konsolengeneration aufschloss. Zwar war auch der N64 kein Glanzstück, der Gamecube setzte jedoch den Negativrekord und sollte als jene Nintendo-Konsole mit den bis dato schlechtesten Verkaufszahlen in die Geschichte eingehen. Nur 21,7 Millionen Stück gingen vom lila Spielewürfel über die Ladentheke. Von der PlayStation 2 rund 152 Millionen. Vom Dreamcast immerhin über zehn Millionen, bevor er 2001 eingestellt wurde.

Für Nintendo brachte der Verlust des Konkurrenten jedoch keine Atempause. Noch im gleichen Jahr startete Microsoft mit seiner Xbox in den Kampf der Konsolen - und verkaufte aus dem Stand ähnlich viele Xbox-Geräte wie Nintendo Gamecubes. Microsoft und Sony teilten das Hardcoregamer-Publikum unter sich auf, Nintendo wurde mit seinen oft auffallend niedlichen, im japanischen Stil gehaltenen Spielen dem westlichen Spielegeschmack nicht mehr in dem Maß gerecht, wie dies noch mit den alten Konsolen gelungen war.

Vom Gamecube-Fiasko zum Wii-Überraschungshit
In der Spielepresse wurde Nintendo fortan zunehmend als Randerscheinung betrachtet. Die schwachen Zahlen des Gamecube und der Umstand, dass viele zugkräftige Games großer Publisher nur für die Konkurrenzkonsolen erschienen, drängten Nintendo an den Rand des Konsolenmarktes. Man war längst nicht mehr Gejagter, man wurde zum Jäger. Nach dem durchwachsenen Erfolg des N64 und dem Gamecube-Debakel musste ein Erfolg her.

Und der von vielen bereits abgeschriebene japanische Traditionskonzern schaffte 2006 tatsächlich, was viele nicht mehr für möglich gehalten hatten. Er brachte mit der Wii eine Konsole auf den Markt, die in puncto Verkaufszahlen selbst das NES hinter sich ließ. Mit der Bewegungssteuerung und neuen Spielkonzepten traf Nintendo nicht nur den Nerv dieser Zeit, sondern schaffte es vor allem auch, Gelegenheitsspieler für die 99,4 Millionen Mal verkaufte Wii zu begeistern. Und das, obwohl sie der Konkurrenz in Form der PlayStation 3 und der Xbox 360 technisch deutlich unterlegen war.

Übermächtige Gegner für die Wii U
Vom Erfolg der Wii werden die Mario-Schöpfer allerdings auch noch eine Weile zehren müssen. Mit der Wii U startete Nintendo zwar bereits im November vorigen Jahres in die nächste Konsolengeneration, das Gerät verkauft sich allerdings schleppend, und auch der Spielenachschub ließ in den ersten Monaten der Wii U zu wünschen übrig. Wertvolle Zeit, die Nintendo hätte nutzen können, um einen Vorsprung gegenüber PlayStation 4 und Xbox One (siehe Infobox) herauszuholen, die Ende des Jahres erscheinen.er Tür – und technisch sind sie der Wii U einmal mehr deutlich überlegen. Hinzu kommt, dass Nintendo als einziger großer Konsolenhersteller auf PowerPC-Prozessoren statt auf x86-CPUs setzt. So bleibt die Wii U zwar abwärtskompatibel, für Spieleentwickler wird es durch die verschiedenen Prozessorarten aber schwieriger, Games für alle drei Plattformen zu entwickeln. Es ist zu erwarten, dass sie sich auf Xbox One, PC und PS4 konzentrieren werden.

Wii-U-Zugpferde lassen auf sich warten
Die Folge: Nintendo wird abermals weitgehend ohne die Unterstützung großer Publisher wie EA auskommen und sich auf seine zugkräftigen Eigenentwicklungen verlassen müssen. Das war bis zu einem gewissen Grad zwar auch schon bei der Wii so, allerdings wurde das Bewegungssteuerungskonzept des Vorgängers von den Spielern besser angenommen als der Touchscreen-Controller in Nintendos neuestem Werk.

Man darf gespannt sein, wohin Nintendo die Reise Ende des Jahres führt. Kann die Wii U neben den Leistungsmonstern von Sony und Microsoft bestehen oder erleidet sie ein ähnliches Schicksal wie der Gamecube? Für die Wii U spricht, dass es immer noch eine große Masse an Fans gibt, die Nintendos Konsolen allein schon wegen Mario und seinen Kollegen kaufen. Gegen sie spricht die im Vergleich zur Konkurrenz schwächere Hardware und die Tatsache, dass die wirklichen Kassenschlager – "Mario Kart" etwa – noch bis 2014 auf sich warten lassen werden. Nur eines zeichnet sich jetzt schon ab: Ein so enormer Erfolg wie das NES oder die Wii scheint die Wii U nicht zu werden.

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