17.07.2013 10:51 |

Missbrauch in Haft

Raubprozess gegen 14-jähriges Opfer verschoben

Die für Montag geplante Verhandlung gegen jenen 14-Jährigen, der Anfang Mai in einer Zelle auf der Jugendabteilung der Justizanstalt Wien-Josefstadt von zwei älteren Mitgefangenen vergewaltigt wurde, findet nicht in der vorgesehenen Form statt. Der Jugendliche wird sich aus gesundheitlichen Gründen erst zu einem späteren Zeitpunkt wegen Raubes vor einem Schöffensenat zu verantworten haben.

Der 14-Jährige soll Ende April gemeinsam mit zwei älteren Jugendlichen und einem noch strafunmündigen Burschen auf offener Straße versucht haben, einem älteren Mann das Mobiltelefon abzunehmen, wobei sich die Täter vermummt hatten und den Ermittlungen zufolge zwei gezückte Messer im Spiel waren.

Zudem soll das Quartett einen weiteren Raub geplant gehabt haben. Die drei strafmündigen Burschen - die Altersgrenze ist ab Vollendung des 14. Lebensjahres gegeben - wurden daraufhin in U-Haft genommen. Nur ein paar Tage später - in der Nacht auf den 7. Mai - wurde der 14-Jährige dort missbraucht.

"Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar"
Die Verhandlung wegen des gescheiterten Straßenraubes - der als Opfer ausgewählte Mann hatte sich zur Wehr gesetzt - wird nun ohne den 14-Jährigen stattfinden, gab Gerichtssprecherin Christina Salzborn bekannt. Vor Gericht werden sich vorerst nur seine zwei älteren mutmaßlichen Komplizen zu verantworten haben. Grund: Die psychosoziale Prozessbegleitung des Burschen hat das Straflandesgericht davon in Kenntnis gesetzt, "dass eine Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen derzeit nicht zumutbar wäre", erklärte Salzborn.

Der 14-Jährige, der seit seiner Enthaftung und der erlittenen Übergriffe in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt, befindet sich außerdem derzeit im Ausland, wobei dafür therapeutische Umstände maßgeblich sein sollen. Ihm konnte die gegen ihn gerichtete Raub-Anklage noch gar nicht zugestellt werden, sodass eine angemessene Vorbereitungszeit auf die Verhandlung nicht gegeben gewesen wäre.

Staatsanwaltschaft beharrt auf Anklageschrift
Wann der Bursche, dem von einem psychiatrischen Gutachten eine verzögerte geistige Reife bescheinigt wird, vor Gericht muss, steht noch nicht fest. Obwohl aufgrund des Gutachtens fraglich ist, ob überhaupt Strafbarkeit gegeben ist, weil der 14-Jährige gemäß einer Bestimmung im Jugendgerichtsgesetz womöglich gar nicht in der Lage war, das Unrecht seiner Tat einzusehen, beharren die Staatsanwaltschaft Wien und die ihr übergeordneten Behörden auf der eingebrachten Anklageschrift.

Das Schicksal des in staatlicher Gewahrsam missbrauchten 14-Jährigen hatte eine hitzige Diskussion um den Jugendstrafvollzug in Gang gesetzt. Justizministerin Beatrix Karl hat in diesem Zusammenhang ein 25 Punkte umfassendes Maßnahmenpaket geschnürt, das nun Verbesserungen bringen soll. Unter anderem soll eine Task Force möglichst rasch Alternativen zur U-Haft für unter 18-Jährige entwickeln.

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