Seit ihrem zehnten Lebensjahr leidet Frau N. an Durchfällen. Die Ursache konnte nie geklärt werden. Jahre später wurden zwar mehrere Nahrungsmittelunverträglichkeiten festgestellt, doch trotz Einhaltung einer strengen Diät hat sich die Krankheit nie gebessert. Dazu kommt, dass Frau N. ihren Schließmuskel nicht kontrollieren kann, seit sie vor 23 Jahren am Dickdarm operiert wurde.
"Meinen Alltag zu meistern bedarf einer exakten Planung, da ich zwischen zehn und 20 Mal pro Tag aufs Klo gehen muss - und das innerhalb von Minuten. Wenn ich außer Haus gehe, kann ich mich quasi nur von Toilette zu Toilette hangeln", schildert unsere Leserin. Sie hat versucht, eine Arbeitsstelle zu finden. Mit ihrer Krankheitsgeschichte vergeblich. Deshalb ist auch die finanzielle Situation der 47-Jährigen prekär.
PVA-Vertreter verlangt Schließmuskeltraining
Die Berufsunfähigkeitspension will die Pensionversicherungsanstalt aber nicht einfach so bewilligen. Obwohl bei Gericht mehrere Sachverständige bestätigt haben, dass eine Verbesserung des Zustandes nicht zu erwarten ist - und auch, dass es Frau N. unmöglich ist, eine Arbeit zu finden. Der PVA-Vertreter verlangt gar, dass sich die Frau einem Schließmuskeltraining unterzieht. Widrigenfalls würde auch bei Arbeitsunfähigkeit keine Pension gewährt werden.
Auch Frau N.s Anwältin Edeltraud Fichtenbauer ist fassungslos: "Das ist absolut unangemessen! Hier wird auf dem Rücken der schwer beeinträchtigten Frau und auf Kosten der Allgemeinheit Rechtsverweigerung betrieben."
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