Der hoch verschuldete Emran K. arbeitete als Werttransportfahrer und hatte daher tagtäglich hautnah mit enorm hohen Geldsummen zu tun. Eines Nachts war er mit einem Kollegen auf seiner "Tour" durch Wien, um einen Bankomaten nach dem anderen zu kontrollieren, gegebenenfalls zu warten, zu entleeren und mit frischen Banknoten zu versorgen. Mit dabei hatten sie zwei Geldkassetten. In einem Behälter befanden sich 400.000 Euro, in dem anderen 374.000 Euro.
Weil er keinen anderen Ausweg mehr gesehen habe, um seine Geldprobleme in den Griff zu bekommen, leerte er in einem vermeintlich unbeobachteten Augenblick die Geldkassetten. Was der Verschuldete jedoch nicht bedacht hatte: Er wurde bei seiner Tat von einer Überwachungskamera gefilmt und somit überführt.
"Unvorstellbare Verbindlichkeiten bei bösen Menschen"
Die Tat sei "in diametralem Gegensatz zu seiner sonstigen Lebensführung" gestanden, so der Verteidiger. Emran K. habe damit "sehr, sehr viel zerstört". Schuld an den Geldproblemen sei "Barbut", ein türkisches Würfelspiel, gewesen. Der 30-Jährige habe "unvorstellbare Verbindlichkeiten bei bösen Menschen" angehäuft, so sein Verteidiger.
Tatsächlich sei K. mit 680.000 Euro bei seinen Gläubigern in der Kreide gestanden. Der Angeklagte hatte an einem einzigen Abend 180.000 Euro verloren. Weil er nicht zahlen konnte, erhöhten sich die Schulden pro Jahr um 100.000 Euro. Fünf Jahre lang konnte er seine Schulden nicht begleichen.
"Das ist ja fernab von Gut und Böse"
Selbst einer erfahrenen Richterin wie Minou Aigner blieb da sprichwörtlich der Mund offen: "Alle Achtung. Ich hab' ja schon viel gehört, aber so etwas noch nicht. Das ist ja fernab von Gut und Böse."
Die Tatsache, dass Emran K. seinen Gläubigern nicht nur seine Schulden in Höhe von 680.000 Euro, sondern gleich die komplett erbeutete Summe von 774.000 Euro auf den Tisch geknallt hatte, machte deutlich, in welcher Beziehung der Angeklagte zu seinen Widersachern gestanden haben dürfte. Der 30-Jährige zeigte sich jedenfalls voll geständig und nahm das Urteil an.
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