"Abschasseln lassen"

Vier Überfälle an einem Nachmittag: Elf Jahre Haft

Österreich
09.04.2013 14:18
Zu elf Jahren Gefängnis ist am Dienstag ein 45-jähriger Ex-Häftling in Wien verurteilt worden. Nur eine Woche nach seiner Entlassung aus der Justizanstalt Stein hatte Erich K. im November des Vorjahres an einem Nachmittag vier Geschäfte in der Bundeshauptstadt überfallen. Die Taten waren jedoch nicht von Erfolg gekrönt, da er stets auf verbale Gegenwehr der Angestellten stieß und ohne Beute das Weite suchen musste. "Er hat sich abschasseln lassen", erklärte sein Verteidiger - dennoch fällte der Richter ein hartes Urteil gegen den zehnfach einschlägig Vorbestraften.

Acht Jahre hatte der 45-Jährige für einen bewaffneten Raubüberfall bereits im Gefängnis verbracht, als sich im November für Erich K. die Tore der Justizanstalt öffneten. Eine Woche genoss der Wiener die wiedergewonnene Freiheit, die er meist in einer Notschlafstelle zubrachte. Doch dann beschloss der Ex-Häftling, sich die fehlenden finanziellen Mittel mit Raubüberfällen zu beschaffen und kaufte sich eine Gaspistole.

Trafikant: "Schleich di"
Zuerst betrat er eine Trafik in der Columbusgasse im 10. Gemeindebezirk. "Schleich di", beschied ihm der Trafikant, als der 45-Jährige seine Waffe zückte. Drei weitere Versuche, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Geld zu kommen, scheiterten ebenfalls. In einem Geschäft hieß es, der Geldbriefträger habe soeben die Einnahmen abgeholt, in einem anderen, es sei "nichts in der Lade". Beim vierten Mal wurde dem offenbar nicht sehr einschüchternd wirkenden Räuber mit der Polizei gedroht, worauf er den Laden verließ.

Verteidiger: "Er hat sich abschasseln lassen"
"Es ist nix passiert. Die haben gesagt, ich soll wieder gehen", erklärte der Angeklagte. Sein Verteidiger ersuchte um ein mildes Urteil: "Er hat sich abschasseln lassen." Dennoch bekam der 45-Jährige eine elfjährige Freiheitsstrafe aufgebrummt. 

"Ich gehöre zu den Richtern, die es hassen, Leute wegzusperren", stellte der Vorsitzende des Schöffensenats, Peter Liebetreu, fest. In diesem Fall gebe es aber "keine andere Möglichkeit", verwies der Richter auf die zehn einschlägigen Vorstrafen, den überaus raschen Rückfall sowie das Gutachten des Gerichtspsychiaters Heinrich Pfolz, der Erich K. eine erhebliche kriminelle Energie bescheinigt hatte, die mit den Jahren zu- statt abgenommen habe.

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