Extrem wenig Sonne

“Es war einer der trübsten Winter der letzten 130 Jahre”

Österreich
26.02.2013 12:48
Der Frühlingsbeginn steht zwar erst am 20. März auf dem Kalender, über den Winter lässt sich aber eines schon jetzt sagen: Er war einer der trübsten seit Messbeginn im Jahr 1884. "Sehr ungewöhnlich" gewesen seien die wenigen Sonnenstunden, erklärte Alexander Orlik, Klimatologe der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, am Dienstag. "Österreichweit gab es um 37 Prozent weniger Sonnenschein als im vieljährigen Mittel. Noch trüber war nur der Winter 1903/04 mit einem Sonnenschein-Minus von 48 Prozent."

So wie in den Wintern 1946/47 und 1950/51 schien die Sonne um 37 Prozent kürzer als im Vergleich zum anhand der Jahre 1981 bis 2010 berechneten Mittelwert. Besonders der Jänner und der Februar waren extrem arm an Sonnenschein. Im Norden Österreichs war die Sonnenscheindauer im Jänner mit minus 55 Prozent die zweitniedrigste und im Februar mit minus 62 Prozent die niedrigste der Messgeschichte.

Die absolut kürzeste Sonnenscheindauer in Österreich wurde mit 40 Stunden in Langen am Arlberg verzeichnet. Am längsten zeigte sich die Sonne mit insgesamt 370 Stunden auf der Villacher Alpe. Dies entspricht jedoch immer noch einem Defizit von 20 Prozent im Vergleich zum Mittelwert.

Ungewöhnlich viel Schnee
Dafür hat es im Großteil von Österreich in diesem Winter ungewöhnlich viel geschneit. In Wien gab es doppelt so viel Neuschnee wie im vieljährigen Mittel, in Bregenz sogar viermal so viel. Bregenz erreichte am 9. Februar mit 70 Zentimeter auch die höchste Schneehöhe seit Beginn der diesbezüglichen Messungen im Jahr 1936. In Summe fielen in Bregenz vom 1. Dezember bis zum 25. Februar 263 Zentimeter Neuschnee. Auch in Eisenstadt gab es mit 103 Zentimeter dreimal mehr Neuschnee als im Mittel.

Österreichweit sorgte der Winter für rund 35 Prozent mehr Niederschlag als im Mittel 1981 bis 2010. "Normale" bzw. leicht unterdurchschnittliche Werte gab es nur im Mühlviertel, am Arlberg, in Osttirol und in Oberkärnten. Überall sonst erreichten die Niederschlagsmengen in diesem Winter 15 bis 110 Prozent mehr als im Mittel.

Markantes Weihnachtstauwetter
Die Temperatur lag über den gesamten Winter gesehen ziemlich genau im Bereich des Mittelwertes der vergangenen 30 Jahre. Markant war das Weihnachtstauwetter, das auch die höchste Temperatur dieses Winters brachte: 18,3 Grad am 25. Dezember 2012 in Feldkirch.

Eine zweite Warmwetterphase stellte sich Anfang Jänner südlich des Alpenhauptkammes ein, den Höchstwert dort erreichte Lienz am 6. Jänner mit 15,9 Grad. Der dritte Warmluftvorstoß brachte Ende Jänner vor allem im nördlichen Alpenvorland und im Osten Österreichs ungewöhnliche Temperaturen, mit 16,3 Grad im oberösterreichischen Micheldorf und in Gumpoldskirchen in Niederösterreich.

Kälterekord von minus 23,7 Grad
Ausgeprägte Kältewellen gab es nicht. Die tiefste Temperatur an einem bewohnten Ort wurde am 10. Februar auf 1.100 Metern Seehöhe in Tannheim in Tirol mit minus 23,7 Grad Celsius gemessen. Zuvor war es in der ersten Dezemberhälfte im Westen und im Süden vorübergehend sehr kalt. So sank am 13. Dezember die Temperatur etwa in Klagenfurt auf minus 16,7 Grad.

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