Einen großen emotionalen Moment hatte Olympia `24 bereits. Und zwar schon vor der opulenten Eröffnung, bei der hoffentlich alles gut geht. Es war der Antrag von Pablo Simonet, der im Beisein der argentinischen Mannschaft vor seiner Freundin Pilar Campoy auf die Knie ging. Nicht irgendwo, sondern vor der romantischen Kulisse der Seine. Paris ist die Stadt der Liebe – und ihr Herz pocht in diesem so klingenden Fluss.
Die Seine war nicht immer dieser Sehnsuchtsort. Wie schrieb Patrick Süskind so olfaktorisch anschaulich in „Das Parfum“: „Es stanken die Straßen nach Mist, es stanken die Hinterhöfe nach Urin, es stanken die Treppenhäuser nach fauligem Holz und nach Rattendreck.“ Und all dieser Morast floss in die Seine, die sich als Kloake durch die Stadt quälte. Später war wieder alles mehr im Fluss. Im 17. Jahrhundert frönte man dem Nacktbad, die Damen keusch von einem Paravent verdeckt. Sogar Schwimmwettbewerbe gab es in der Seine.
100 Jahre lang war sie nun wieder ein Ort der Pestilenz und E.-Coli-Bakterien und Baden strengstens verboten. Außen hui, innen pfui. Jetzt jedoch ist sie der aufpolierte Star des Sport-Olymps – Laufsteg der Athleten und erneut Schauplatz von Schwimmbewerben. Sagenhafte 1,4 Milliarden ließ man sich ihre Frischzellenkur kosten. Und dass das Herz von Paris so gesund schlagen kann, mag wohl die nachhaltigste Investition dieser an Gigantomanie kaum zu überbietenden Spiele sein.
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