Gewalt in Frankreich
Kandidatin beim Kleben von Wahlplakaten attackiert
Vor der entscheidenden Runde der französischen Parlamentswahl mehren sich jetzt Akte der Gewalt. Am Donnerstag ist Regierungssprecherin Prisca Thevenot (Bild oben), die für die Parlamentswahl kandidiert, beim Kleben von Plakaten angegriffen worden.
Zwei Menschen aus ihrem Umfeld wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht, einer von ihnen mit einem Kieferbruch. „Gewalt ist keine Antwort. Ich führe meinen Wahlkampf weiter“, schrieb Thevenot, die für Emmanuel Macrons Bündnis Ensemble kandidiert, am Donnerstag im Onlinedienst X (vormals Twitter; siehe Posting unten).
Thevenot erstattete Anzeige. Das Profil der Täter ist bisher unbekannt. Nach Informationen der Zeitung „Le Parisien“ wurden vier junge Menschen - drei von ihnen sind minderjährig - in Gewahrsam genommen. Sie sollen zuvor die Wahlplakate verschandelt haben.
„Als Mutter macht mir das Angst“
Wenig Stunden vor dem Zwischenfall hatte sich Thevenot in einem Interview besorgt gezeigt, dass der Rassismus im Wahlkampf zunehme. „Als Mutter zweier Kinder macht mir das Angst“, sagte die 39-Jährige, deren Eltern von der Insel Mauritius stammen. Ein Kandidat der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National (RN/Nationale Vereinigung) habe ihr gesagt, sie solle „auf ihre Insel zurückkehren“.
Schon mehrere Angriffe auf Kandidaten
Vor ihr wurden bereits mehrere andere Kandidaten angegriffen, unter ihnen auch eine RN-Kandidatin, die ihrerseits Anzeige erstattete. Gesundheitsminister Frédéric Valletoux prangerte die zunehmenden Spannungen im Wahlkampf an, etwa „Beschimpfungen bei Ortsterminen, die schnell ausarten“.
Nach Berichten über RN-Kandidaten, die wegen rassistischer Äußerungen aufgefallen waren, räumte die RN-Politikerin Marine Le Pen ein, dass es „schwarze Schafe“ gebe, „wie überall“. Es habe einige „inakzeptable Äußerungen“ gegeben, aber auch manche, die lediglich „ungeschickt“ gewesen seien, erklärte sie und warf den Medien „inquisitorisches“ Verhalten vor.
Dutzende „problematische RN-Kandidaten“
Das Investigativ-Magazin „Mediapart“ veröffentlichte eine Liste von 80 „problematischen“ RN-Kandidaten, unter ihnen eine, die für ein „gesäubertes und sicheres Frankreich“ war. Ein anderer forderte den schwarzen Schauspieler Omar Sy auf, in den USA zu bleiben.
Unter den RN-Kandidaten findet sich auch der Gründer einer prorussischen Lobby-Organisation. Eine Kandidatin, die sich mit einer Nazi-Schirmmütze hatte fotografieren lassen, hat ihre Kandidatur inzwischen zurückgezogen.
Am Sonntag findet die zweite, entscheidende Runde der Wahl zur Nationalversammlung statt. Der RN liegt in den Umfragen vorne, aber die Sitzverteilung ist nur schlecht abzuschätzen. Gut 200 Kandidaten haben sich aus Wahlkreisen mit Dreierkonstellationen (drei verbliebenen Kandidaten) zurückgezogen, um die Chancen des jeweiligen RN-Kandidaten in ihrem Wahlkreis zu verringern.
Da sich bereits 76 Kandidaten in der ersten Runde mit absoluter Mehrheit durchgesetzt haben, wird nur noch in 501 von 577 Wahlkreisen gewählt.









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