Der sogenannte Wolfsgruß des türkischen Fußball-Nationalspielers Merih Demiral bei der Europameisterschaft in Deutschland zieht weitere diplomatische Kreise. Jetzt gab es eine politische Antwort des EM-Gastgebers. Unterdessen hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan angekündigt, beim Viertelfinal-Spiel in Berlin dabei zu sein.
Der türkische Botschafter in Berlin wurde am Donnerstag in das Außenministerium einbestellt, wie eine Ministeriumssprecherin in Berlin mitteilte. Am Mittwoch war bereits der deutsche Botschafter in Ankara einbestellt worden. Die türkische Regierung wirft Deutschland „Fremdenfeindlichkeit“ vor.
Demiral hatte im Achtelfinalspiel der Türkei gegen Österreich nach einem Tor den „Wolfsgruß“ mit seinen Händen gezeigt, der als Zeichen der rechtsextremistischen türkischen Grauen Wölfe gilt. In Deutschland werden 18.500 Mitgliedern gezählt, womit die Gruppe die größte rechtsextreme Organisation hierzulande ist. Verboten sind die Grauen Wölfe nicht, sie werden aber vom Verfassungsschutz beobachtet.
Präsident Erdogan wird aufgrund der entbrannten Debatte kurzfristig doch zum Spiel in Berlin anreisen, wie mehrere türkische Medien berichten. Eigentlich hätte der 70-Jährige am Samstag nach Aserbaidschan fliegen sollen, jetzt wolle er aber der Nationalmannschaft in Berlin „den Rücken stärken“. Der Präsident könne die harsche Kritik am Torjubel nicht nachvollziehen, heißt es weiter.
Faeser fordert Konsequenzen
Der Wolfsgruß ist in Deutschland nicht verboten. „Die Symbole türkischer Rechtsextremisten haben in unseren Stadien nichts zu suchen“, schrieb die deutsche Innenministerin Nancy Faeser auf der Plattform X gleichwohl. „Die Fußball-Europameisterschaft als Plattform für Rassismus zu nutzen, ist völlig inakzeptabel.“ Sie forderte den europäischen Fußballverband UEFA auf, den Fall zu untersuchen und Sanktionen zu prüfen, was dieser zusagte.
Die Türkei setzte sich am Dienstag in Leipzig gegen Österreich mit 2:1 durch und steht am Samstag im Viertelfinale gegen die Niederlande in Berlin. Demiral schoss gegen Österreich beide Tore, wird aber im Viertel- und Halbfinale gesperrt fehlen.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.