Drei Schwerverletzte

Prozess um versuchten Mord bei Straßenschießerei

Gericht
14.06.2024 11:44

Drei lebensgefährlich verletzte Opfer nach einer wilden Schießerei am 7. Oktober 2023 auf offener Straße in Wien Floridsdorf. Ein Vater und drei seiner Söhne müssen sich in Wien für versuchten Mord verantworten. War es eine Notwehrsituation im Streit mit einer einst befreundeten Familie, wie sich die Anwälte der Angeklagten sicher sind?

Man kann das Leben anderer und auch sein eigenes Leben sinnlos zerstören. Der Prozess am Wiener Landesgericht am Freitag ist ein Beispiel dafür: Der angeklagte Vater (54) war Bauunternehmer, führte in der Bundeshauptstadt dreißig Jahre lang erfolgreich seine Firma. Jetzt sitzt er mit gesenktem Kopf im Großen Schwurgerichtssaal auf der Anklagebank. Mit drei seiner vier Söhne (22, 25, 29), die auch auf einem guten Weg waren: Der jüngste Sohn etwa hatte erst kürzlich eine HTL abgeschlossen, die beiden anderen waren in technischen Berufen tätig. Jetzt wird den vier unbescholtenen Männern von der Staatsanwaltschaft Wien jeweils versuchter Mord vorgeworfen.

Hintergrund war eine Familienfehde
Es geht um jene Tat, die am Abend des 7. Oktober 2023 die Bundeshauptstadt in Atem gehalten hat. Eine wilde Schießerei auf offener Straße in Floridsdorf versetzte die Bevölkerung in Angst. 

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Angreifer war der Sohn der anderen Familie. In der Stadthalle und in der Floridusgasse.

(Bild: klemens groh)

Anwalt Rudolf Mayer vertritt zwei der Angeklagten.

Später wurde bekannt, dass es sich um eine Familienfehde handelte, die eskalierte: Der aus Nordmazedonien stammende erstangeklagte Österreicher besuchte an jenem Abend mit seinen Söhnen einen MMA-Kampf in der Wiener Stadthalle. „Im Laufe des Events kam es zwischen dem jüngsten Sohn und dem Sohn der Gegnerfamilie zu einer Schlägerei“, eröffnet der Staatsanwalt die Verhandlung. Die Familien kannten sich. „Es ging um ein Mädchen“, konkretisiert Anwalt Rudolf Mayer, der zwei der Angeklagten vertritt. Die Aggression sei vom Sohn der anderen Familie ausgegangen, sagt Mayer. Dies belege ein Video aus der Stadthalle.

Großeinsatz am Tatort in Wien Floridsdorf. (Bild: Thomas Wagner)
Großeinsatz am Tatort in Wien Floridsdorf.

Aussprache mündete in der Katastrophe
Die Väter hätten später ein Treffen vereinbart. Weil der gegnerische Vater eine Fußfessel hatte und um 20 Uhr zuhause sein musste, verabredete man sich in der Floridusgasse in Floridsdorf. Die vier Angeklagten und die vier Gegner trafen sich in der Mitte der Fahrbahn. „Der Versuch, sich auszusprechen, mündete schnell in einer Schlägerei“, so der Staatsanwalt. Wieder dürfte ein Mitglied der Opferfamilie erneut als Erster zugeschlagen haben. Der Drittangeklagte zog daraufhin ein Messer, stach dem angreifenden Gegenüber in den Oberarm und einem anderen ins Gesäß.

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Es war eine Aussprache, die ausgeartet ist. Von einem Mordvorsatz sind wir hier weit entfernt.

(Bild: Zwefo)

Auch Anwalt Manfred Arbacher-Stöger verteidigt zwei der Angeklagten.

Sein 22-jähriger Bruder zog in der Rauferei eine Pistole der Marke Zastava, gab einen Warnschuss in den Boden ab und traf mit einem zweiten Schuss ein weiteres Mitglied der anderen Familie im Rücken. Schließlich soll auch der Baumeister eine Waffe gezogen haben. Laut Staatsanwalt durchschoss er dessen linken Oberschenkel, streifte mit einem zweiten Schuss dessen Arm. „Er wollte seinen jüngsten Sohn schützen“, ist Mayer überzeugt. Einen Mordvorsatz habe es nicht gegeben. So sieht es auch sein Kollege Manfred Arbacher-Stöger: „Es war eine Aussprache, die ausgeartet ist.“ Zum Mordversuch bekennen sich die Angeklagten „nicht schuldig“.

Opfer blieben in Blutlachen liegen
„Ich hab herumgeschossen, wollte meinem Bruder helfen, dem einer der anderen im Schwitzkasten hatte“, sagt der Viertangeklagte, der selbst Kampfsportler ist. „Was heißt, Sie haben herumgeschossen?“, fragt Richter Christoph Bauer. „Ich habe auf die Beine geziehlt. Ich wollte keine lebenswichtigen Organe treffen.“  

Opferanwalt Zaid Rauf führt die schweren Verletzungen der Angeschossen an: „Die Opfer lagen auf der Straße in ihrer eigenen Blutlache. Drei von ihnen wären beinahe gestorben.“ Vertagt.

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