Do, 13. Dezember 2018

Warmer Sommer

04.10.2012 12:02

Gletscherschwund in Österreich wird immer massiver

Österreichs Gletscher sind laut Massenbilanz 2011/12 erneut außerordentlich stark geschmolzen. Schuld daran war das überdurchschnittlich warme und sonnige Wetter im Frühling und im Sommer. Wie Messungen der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) ergaben, war die Schmelze heuer fast so stark wie in den Rekordjahren 2003 und 2011.

"Auch heuer haben die Gletscher überdurchschnittlich viel Eismasse verloren. Dabei hat das Gletscherjahr gut begonnen. Der Winter 2011/2012 brachte besonders an der Nordseite der Alpen reichlich Schnee. Viele Gletscher gingen mit einer drei bis vier Meter dicken Schneeschicht aus dem Winter. Dann folgten aber sehr warme und sonnige Frühlings- und Sommermonate, und die Gletscher schmolzen stark", sagt Bernhard Hynek, Gletscherforscher an der ZAMG, die vor allem die Gletscher in den Hohen Tauern untersucht hat. Dazu gehören die Pasterze (Bild), Österreichs größter Gletscher, sowie Goldbergkees (siehe Zeitraffervideo der Ausaperung) und Kleinfleißkees im Bereich des Sonnblicks.

Neun Meter geringere Eisdicke auf der Pasterze
Die Pasterze am Großglockner verlor in den vergangenen zwölf Monaten im unteren Bereich (der sogenannten Gletscherzunge) rund neun Meter an Eisdicke. Selbst oberhalb des bekannten Hufeisenbruches, in einer Region über 3.000 Meter Seehöhe, verlor die Pasterze im vergangenen Jahr bis zu zwei Meter an Eisdicke.

In der Sonnblickregion verlor das Goldbergkees fast zwei Meter Eisdicke in einem Jahr, das Kleinfleißkees rund eineinhalb Meter. Zum Vergleich: Im Mittel lagen die Schmelzwerte in den vergangenen Jahrzehnten bei 70 Zentimeter. Diese beiden Gletscher, wie viele andere in Österreich, aperten den zweiten Sommer in Folge vollständig aus. Das heißt, dass der gesamte Altschnee des Winters verschwunden war. Damit ein Gletscher längerfristig seine Masse erhält, sollte sich auf etwa 60 Prozent seiner Fläche der Winterschnee über den ganzen Sommer halten.

Schneefallgrenze verschob sich 2012 nach oben
Hauptverantwortlich für das Schmelzen der Gletscher ist die Sonnenstrahlung. Die hohe Lufttemperatur wirkt vor allem indirekt. Denn in durchgehend zu warmen Sommern wie 2012 verschiebt sich die Schneefallgrenze weit nach oben, und selbst auf den 3.000ern regnet es. Eine Neuschneedecke wäre dagegen ein sehr effektiver Schutz des Gletschers, da sie 90 Prozent des Sonnenlichts reflektiert und somit weniger Strahlungsenergie das Gletschereis erreicht.

Eine ausgeglichene Massenbilanz der heimischen Gletscher, also eine gleichbleibende Gletscherdicke, ist seit den 1980er-Jahren selten geworden. Die letzte leicht positive Massenänderung an einigen Gletschern gab es im Jahr 2004.

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