Es gibt archäologische Objekte, bei denen man bis heute nicht weiß, wozu sie gut waren. Dazu gehören die sogenannten Pentagon-Dodekaeder aus der Römerzeit. Hobby-Archäologen haben in England eines der größten jemals gefundenen Exemplare ausgegraben.
Ein im Sommer 2023 entdeckter Dodekaeder, der aus dem 4. Jahrhundert nach Christus stammt und außerordentlich gut erhalten ist, wirft die Fragen rund um die mysteriösen Objekte nun ein weiteres Mal auf.
Das zwölfflächige Objekt mit seinen 20 Ecken ist eines von nur 33 bekannten Exemplaren aus dem römischen Britannien und eines von rund 130 weltweit. Es gilt als „eines der großen Rätsel der Archäologie“, so die Norton Disney History and Archaeology Group, eine Gruppe von Amateur-Archäologen in der englischen Region Lincolnshire, wo es im Juni gefunden wurde.
Ausschließlich in nördlichen Regionen gefunden
Gefunden wurden die römischen Pentagon-Dodekaeder ausschließlich in nördlichen Regionen, wo dereinst zuvor die Kelten geherrscht hatten. Hatten womöglich schon diese die etwa faustgroßen, hohlen Bronzeobjekte mit zwölf fünfeckigen Außenflächen, die jeweils ein unterschiedlich großes, kreisförmiges Loch in der Mitte und Knubbel an ihren Ecken haben, erfunden? Experten konnten es bis heute nicht herausfinden.
Der von britischen Norton Disney History and Archaeology Group gefundene Dodekaeder wurde laut Angaben des Senders CNN vor rund 1700 Jahren gemeinsam mit weiteren Gegenständen aus Ton absichtlich in einer Kuhle abgelegt. Metallurgisch Untersuchungen haben gezeigt, dass er aus einer Kupferlegierung – 75 Prozent Kupfer, sieben Prozent Zinn und 18 Prozent Blei – besteht.
„Es ist vollständig und unbeschädigt“
Bei dem Dodekaeder handle es sich „eines der größten Exemplare“, so die Norton Disney History and Archaeology Group. „Es ist vollständig, unbeschädigt und wurde von seinem Erzeuger und seinen Nutzern eindeutig als sehr wertvoll angesehen“, so ihr Sekretär, Richard Parker. „Es muss also einen sehr wichtigen Grund dafür gegeben haben, dass es so in der Erde deponiert wurde, wie es war.“
Keine Beschreibung in der römischen Literatur
Es gebe es weder Beschreibungen der Dodekaeder in der römischen Literatur noch bildlichen Darstellungen in Mosaiken, Parker gegenüber CNN. Alle gefundenen Exemplare seien unterschiedlich groß, was bedeutet, dass sie wohl nicht zum Messen verwendet wurden. Da der im Juni freigelegte Dodekaeder unbeschädigt ist und keine Anzeichen von Abnutzung aufweise, sei es unwahrscheinlich, dass es sich dabei um ein Werkzeug handle, fügte er hinzu.
Handelt es sich um rituellen Gegenstand?
Die Norton Disney History and Archaeology Group habe aber eine Arbeitstheorie, so Parker. „Höchstwahrscheinlich waren sie eine Art religiöser oder ritueller Gegenstand. Die Römer waren ein sehr abergläubisches Volk und benötigten im Allgemeinen Zeichen, um Entscheidungen im täglichen Leben treffen zu können.“ Ein Indiz für diese Annahme sie, dass der Dodekaeder in der Nähe einer kleinen römischen Reitergott-Figur gefunden wurde, die „starke religiöse Bezüge aufweist“, so Parker.
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