Stadtpolitik-Aufreger

Wiener Festwochen: Steuergeld für Israel-Hasser

Wien
22.04.2024 14:59

Provokation ist heuer Programm bei den Wiener Festwochen, inklusive jenseitiger Meinungen zum Nahost-Konflikt auf Kosten der Steuerzahler. Dafür musste sich Wiens Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler am Montag im Wiener Gemeinderat verantworten.

Die Ausrufung einer „Freien Republik Wien“, Verhöre mit Lügendetektoren und Prozess-Shows, bei denen „ganz Österreich vors Tribunal zitiert“ wird: Das gibt es bei den Wiener Festwochen unter dem neuen Intendanten Milo Rau ab 17. Mai – beherrscht von einem „Rat der Republik“. Dort finden sich neben verdienten Persönlichkeiten und Vertretern der Bevölkerung auch ein paar andere, deren haarsträubende Meinung über Israel und die Palästinenser am Montag Thema im Wiener Gemeinderat waren.

In Deutschland Einreiseverbot, in Wien „Ratsmitglied“
Im „Rat“ vertreten sind etwa der griechische Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis, von Deutschland wegen „antisemitscher und israelfeindlicher Propaganda“ zuletzt mit Einreiseverbot belegt, und die französische Schriftstellerin Annie Ernaux, die etwa für den Boykott israelischer Kultur eintritt und die Gruppe BDS unterstützt, die den Staat Israel wirtschaftlich isolieren und damit handlungsunfähig machen will. BDS wird vom österreichischen Nationalrat als antisemitische Organisation eingestuft.

Der Schweizer Milo Rau wurde letzten Sommer als neuer Intendant der Festwochen präsentiert. (Bild: Michiel Devijver)
Der Schweizer Milo Rau wurde letzten Sommer als neuer Intendant der Festwochen präsentiert.

Kaup-Hasler weiterhin „stolz“ auf Rau
Wegen der fragwürdigen Festwochen-Aktion musste sich Wiens Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler nach einer Anfrage der ÖVP verantworten. Sie erklärte, Raus Ideen seien „künstlerisch und nicht politisch“ zu verstehen und sie weiterhin „sehr stolz, so einen international renommierten Künstler in der Stadt zu wissen“. Darüber hinaus nehme sie keinen Einfluss auf die Programmgestaltung der Festwochen.

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Für Antisemitismus gibt es bei den Wiener Festwochen keinen Platz.

(Bild: EVA MANHART / APA / picturedesk.com)

Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler

“Dialog“ statt „Gesinnungsprüfungen“
Laut Kaup-Hasler geht es Rau darum, „Dialog zuzulassen“, und zwar ohne „Gesinnungsprüfungen“ in alle Richtungen: Im „Rat“ seien etwa auch FPÖ-Mitglieder vertreten, und auch die Klimakleber stünden vor einem der „Tribunale“. Konkret auf die Positionen von Varoufakis und Ernaux angesprochen, räumte Kaup-Hasler freilich ein: „Boykott ist immer der falsche Weg“, „Propaganda“ dürfe bei den Festwochen nicht stattfinden. Bei fragwürdigen Inhalten gebe es zudem „genug Mechanismen: Es gibt die Justiz, es gibt Medien ...“ Varoufakis und Ernaux würden nicht selbst nach Wien kommen, versprach Kaup-Hasler außerdem.

Raus Absichten müssten wohl besser kommuniziert werden, räumte Kaup-Hasler allerdings ein. ÖVP-Gemeinderätin Laura Sachslehner bewertete die Aussagen der Kulturstadträtin als „völlig inakzeptabel“: Anstatt „endlich klare Kante zu zeigen“, beschönige Kaup-Hasler, dass Antisemitismus bei den Festwochen eine Bühne geboten werde. Erst zuletzt hatte sich der Gemeinderat einstimmig – und damit mit den Stimmen der SPÖ – gegen die Festwochen-Einladung für Varoufakis und Ernaux ausgesprochen.

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