Pressestimmen

“Jogi, was war das denn? Dieser Sieg schmeckt bitter”

Sport
12.09.2012 10:38
Hier liest du deutsche Pressestimmen zu Österreichs 1:2-Niederlage gegen Deutschland in der WM-Qualifikation.

"Bild": "Jogi, dieser Sieg schmeckt bitter! Rumpel-Fußball und viel
Dusel. Jogi, was war das denn? Deutschland zittert sich zu einem
dünnen 2:1 in Wien gegen Österreich. Vor der Partie sprach Löw von
einem 'Spiel auf Augenhöhe'. Unsere Elf war aber lange nicht auf
Ballhöhe. Das von Löw geforderte Pressing praktizierten die Ösis -
und Deutschland produzierte die Fehler. Mancher dachte schon an 1986 zurück, als wir das letzte Mal gegen Österreich unterlegen waren. Die Leichtigkeit, die unsere Elf ausgezeichnet hat, ist weg. Die Ösis (nur Nummer 49 der Weltrangliste) schnürten uns ein."

"kicker": "Die DFB-Elf gewann in Wien in einem packenden und mitreißenden Spiel gegen Österreich am Ende schmeichelhaft mit 2:1 und hat damit sechs Punkte nach den ersten zwei Spieltagen auf der Habenseite. Das Ergebnis täuscht dabei ein wenig, denn die Alpenrepublik war über weite Strecken die klar bessere Mannschaft und steht nur aufgrund einer miserablen Chancenverwertung am Ende mit leeren Händen da."

"Spiegel": "Lehrstunde vom Verlierer. Früh stören und den Spielaufbau des Gegners unterbinden - das wollte Bundestrainer Joachim Löw von seiner Mannschaft sehen. Doch beim Sieg gegen Österreich gab es ausgerechnet vom unterlegenen Gastgeber Anschauungsunterricht, wie Pressing richtig geht."

"Abendzeitung": "Tu felix Jogi! Mit viel Dusel und Treffern von Reus
und Özil gewinnt das DFB-Team 2:1 in Österreich und entführt recht
unverdient drei Punkte. Zu denken geben vor allem die Abwehrfehler.
Bedanken darf sich Bundestrainer Joachim Löw bei Marko Arnautovic,
der kurz vor Schluss den Ausgleich vergab. Ein Spiel auf Augenhöhe
hatte Löw angekündigt - bis zur 44. Minute war das Wunschdenken. Die mit neun Bundesliga-Legionären angetretenen Österreicher (bei Team Germany liefen acht Bundesliga-Kicker auf) präsentierten sich bissig, willig, aggressiv, hellwach und mit großer Leidenschaft - alles
Attribute, die man auf deutscher Seite zunächst vergeblich suchte.
Von wegen Felix Austria. Vielmehr: Glückliches Deutschland."

"Express": "Jogis Jungs siegen trotz Dösi-Kick. Nein, sie rissen
nach dem Abpfiff ihre Arme nicht in den Wiener Nachthimmel. Denn die deutschen Spieler wussten: Das war ein Dusel-Zitter-Sieg der
allerersten Güte. Okay, Pflicht im Hexenkessel Ernst-Happel-Stadion
irgendwie erfüllt. 2:1 gewonnen. Der zweite Sieg im zweiten
WM-Qualifikationsspiel. Seit 1934 bleibt Deutschland damit auch im
37. Auswärtsspiel in der WM-Qualifikation ungeschlagen. Aber der
Ist-Zustand der Mannschaft ist ernüchternd. Die Abwehr ein Torso, der Angriff ein laues Lüftchen. Fehlpässe en masse. Die Leichtigkeit ist weg. Die Ösis über weite Strecken sogar besser. Was ist los im
Löw-Land? Vom Pressing der Löw-Jungs nix zu sehen. Die Österreicher, auf Rang 49 in der Welt, waren es, die das deutsche Team immer wieder unter Druck setzten. Hätte Marko Arnautovic kurz vor Spielende den Ball reingegrätscht statt zu spät zu kommen, wäre es der hochverdiente Ausgleich der tapferen Österreicher gewesen."

"Berliner Zeitung": "Deutsche Elf siegt mit Glück und Verstand. Es
war ein rassiges Fußballspiel, in dem beide Mannschaften an ihre
Leistungsgrenzen gingen. Österreich war ungeheuer stark. Die
achttägige Trainingsarbeit unter Marcel Koller war gut sichtbar,
immer wieder liefen die österreichischen Spieler die deutsche
Defensive so geschickt und kollektiv an, dass vor allem die
Innenverteidiger Mats Hummels und Holger Badstuber unter Zeitdruck gerieten."

"Süddeutsche": "Unter Augenhöhe. Trotz des gewohnten 4-2-3-1-Systems tut sich die deutsche Nationalelf schwer und gewinnt nur mit großer Mühe 2:1 gegen Österreich. Vor allem in der ersten Hälfte wirkt die Abwehr bei den Angriffen der Gastgeber bisweilen hilflos. Das zweite Spiel der WM-Qualifikation bringt zwar den zweiten Sieg - wirft aber auch viele Fragen auf. Den Deutschen blieben die drei Punkte - aber so richtig verdient war das alles nicht. Zwei Bremer Profis spielen Deutschland schwindelig: Damit war einiges gesagt über die zweite Halbzeit. Die wohl gruseligste erste Halbzeit der jüngeren Länderspielgeschichte hatte das DFB-Team da bereits hinter sich. Kaum dass die Partie begonnen hatte, war jedenfalls eindrucksvoll zu besichtigen, dass der Bundestrainer nicht ganz richtig gelegen hatte mit seiner Prognose, Marcel Kollers Österreicher würden in ihrem "Spiel des Jahres" einen "Abnutzungskampf auf Augenhöhe" liefern. Einen Abnutzungskampf - wenn man es denn so martialisch nennen will - sah man zwar durchaus. Aber einen, bei dem sich die Deutschen tendenziell unterhalb der Augenhöhe bewegten. Nach dem 3:0 gegen die Färöer hatten die Deutschen noch - vergleichsweise milde - über die mangelnde Chancenverwertung geklagt. Jetzt wären sie schon froh
gewesen, wenn es wenigstens ein paar Chancen zum Verdaddeln gegeben hätte."

"FAZ": "Zweites Spiel, zweiter Sieg: Deutschland gewinnt auf dem Weg zur WM 2014 mit 2:1 in Österreich. Bundestrainer Löw nimmt aus Wien aber auch ein paar offene Fragen mit. Das vom Bundestrainer angekündigte Pressing blieb in einer spannenden, von den Österreichern leidenschaftlich geführten Partie nur Stückwerk, wenn man es überhaupt entdecken konnte. Dominanz im deutschen Spiel suchte man vergebens, spielerische Klasse war nur in ganz wenigen Momenten erkennbar. Die Nummer 49 der Weltrangliste rückte der Nummer zwei immer wieder leidenschaftlich, aggressiv und gut organisiert auf den Leib. So früh und konsequent jedenfalls wurde die deutsche Defensive nicht oft von einem Gegner beim Spielaufbau gestört."

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