Gefährdungsmomente sind für junge Menschen nur sehr schwer zu verarbeiten. Für die Betroffenen bietet unter anderem ein geschultes Krisenteam des SOS-Kinderdorfes Unterstützung in der Zeit danach an.
In der Zentralberufsschule an der Linken Wienzeile in der Bundeshauptstadt ist es in der Früh zu einem Großeinsatz von Cobra und WEGA gekommen. Ein Schüler soll einen anderen mit einer Waffe gesehen haben.“ Diese Meldung hatte, wie berichtet, erst vor Kurzem für Aufregung gesorgt. „Solche Extremsituationen können sich immer und überall ereignen. Das Burgenland ist keine Ausnahme“, geben fachkundige Sachverständige zu bedenken.
Betroffene fühlen sich von Situation überfordert
Was passiert mit den Betroffen in so einer heiklen Situation? „Nach dem Einsatz der Polizei ist vor dem Einsatz anderer Teams“, weiß Marek Zeliska, der SOS-Kinderdorfleiter Burgenland, zu berichten. „Für viele Betroffene wird die Situation umso schwieriger, weil sie die Sorge plagt, die angespannte Lage nicht mehr bewältigen zu können. Sie fühlen sich überfordert“, ergänzt Zeliska. Derartige Umstände können im Fall einer Schulklasse oder einer Familie ganz besondere Gefährdungsmomente für Kinder und Jugendliche bedeuten. Umso wichtiger sei es, dass im Ernstfall eine lückenlose Hilfskette starten könne, betont Zeliska. Das Konzept des SOS-Krisenteams erfolgt in Absprache mit dem Roten Kreuz und dem Amt der Landesregierung. Dieses Angebot sei als Ergänzung zu der bestens organisierten Krisenintervention im Burgenland zu sehen. Als solches werde es in bestehende Abläufe integriert, sagt der Fachmann.
So läuft die Unterstützung im Notfall ab
Die Landessicherheitszentrale alarmiert nach einer Meldung durch Sicherheitsorgane das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes. Ein Einsatz bei den Betroffenen, geprägt von Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl, lautet der herausfordernde Auftrag. Je nach Bedarf kann das SOS-Krisenteam sofort oder in den darauffolgenden Tagen die umsichtige Begleitung übernehmen. Am Anfang steht ein plötzlich auftretendes Ereignis, das als Bedrohung erlebt wird, fachlich als ,Traumatische Krise’ bezeichnet“, erklärt Zeliska.
Schock, Angst, Wut und Verzweiflung zugleich
Diese Krise verläuft in mehreren Stufen. „Wir begleiten die ersten Phasen, die durch Schock, einem Zustand der Betäubung oder chaotisch ungesteuerten Reaktionen gekennzeichnet sind“, so der SOS-Kinderdorfleiter: „Es ist wichtig, bei den Betroffenen zu bleiben und das Gefühl von Sicherheit zu vermitteln.“ Später tritt die sogenannte Reaktionsphase ein. „Betroffene schildern den dramatischen Vorfall und das Erlebte. Angst, Verzweiflung und Wut dürfen oder sollen sogar zum Ausdruck kommen“, sagt Zeliska.
Orientierungshilfe
„Durch gezielt eingesetzte Informationen soll eine behutsame Orientierungshilfe gegeben werden, damit die Jugendlichen allmählich zu einer realistischen Einschätzung der Lage kommen können.“ Danach wird ebenso das soziale Umfeld wie Familie und Freunde immer stärker in die Krisenintervention eingebunden. Wenn diese Möglichkeit nicht gegeben ist, entsteht laut dem Roten Kreuz ein gravierender „missing link“ in der Krisenüberbrückung für Kinder und Jugendliche.
Zurück in ein selbstbestimmtes Leben
Genau dort kann auch das multiprofessionelle Krisenteam des SOS-Kinderdorfes ansetzen, bestehend aus erfahrenen Sozialarbeitern, Psychologen und Sozialpädagogen. „Ihre Aufgabe ist es, leidgeprüfte Jugendliche an der Hand zu nehmen und sie aus der Krise zu führen, damit diese ihre dramatischen Erlebnisse hinter sich lassen und in ein selbstbestimmtes Leben zurückkehren können“, fasst Zeliska zusammen.
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