Lokalaugenschein

Sebastian ist tot – ein Ferienparadies unter Schock

Österreich
05.07.2012 14:01
Es ist traurige Gewissheit: Der kleine Sebastian aus Wien ist tot. Sein lebloser Körper wurde eineinhalb Meter tief in einem Sandloch am Strand der deutschen Nordseeinsel Amrum gefunden. Was genau mit dem Zehnjährigen passiert ist, weiß man nicht. Laut Obduktionsbericht ist er erstickt. Ermittler gehen jedenfalls von einem tragischen Unfall aus - und schließen die Theorie einer Gewalttat aus. Dennoch: Die Menschen in dem Ferienparadies stehen unter Schock. Ein Lokalaugenschein der "Krone".

Auf der sonst so pittoresken, nur 20 Quadratkilometer kleinen Insel präsentiert sich das Eiland wie im Bilderbuch. Die Strandhäuser und die vom dunkelgrünen Schilfgras gesäumten Gehwege strahlen Beschaulichkeit aus. Gemächlich schaukeln die vielen Kähne mit ihren farbenprächtigen Segeln im Hafen des Wattenmeers. Die Landschaft, hart an der Dänen-Grenze, wirkt wie die Kulisse der "Jever"-Bierwerbung.

Hier zieht es keine Massentouristen her, wer die beschwerliche Anreise in Kauf nimmt, will nur Ruhe, Erfrischung von der sengenden Hitze der Großstadt und in der Mitte der Woche vielleicht eine Wattwanderung. Das alles hätten wohl auch Mama und Papa von Sebastian geplant. Hätten. Denn seit Sonntag, 19 Uhr, blieb im Leben der Familie kein Stein auf dem anderen. Ihr Sonnenschein war nur einen Tag nach der Ankunft plötzlich verschwunden.

Eltern zogen sich in Ferienhaus zurück
Tagelang zog sich das Paar in sein Ferienhaus (Bild 5) direkt an den Dünen zurück, ließ niemanden an sich heran. Nachts bekamen beide kein Auge zu - jeden Augenblick hätte ja das Handy läuten können. Behutsam stand die Polizei mit den beiden Österreichern in Kontakt, koordinierte die Suchaktion. Auch der rot-weiß-rote Generalkonsul Christian Siegl traf vor Ort aus Berlin ein, um die Botschaft zu unterstützen.

Am Mittwochnachmittag dann die schreckliche Nachricht, die jede Hoffnung zerstörte: Sebastian ist tot, grausam erstickt! Nach einem Verbrechen sieht die Sache nun nicht mehr aus: Beamte hatten eineinhalb Meter Sand unter dem "Piratenschiff" für Untersuchungen abgegraben. Dabei stießen sie auf die Leiche des Knaben. Er dürfte beim Spielen verschüttet worden sein.

"Wir sahen ihn alle noch mit seiner Schaufel"
"Wir sahen ihn am Sonntag alle noch buddeln, gingen dann aber nach Hause", machen sich Schülerinnen schwere Vorwürfe. Irem und Erva (Bild), beide 12, zünden Kerzen am Unglücksort an. Schon am nächsten Tag hatten sie wieder bei der Pirateninsel gespielt - ohne zu wissen, dass ihr toter Freund unter ihnen begraben lag. So wie Sebastians Eltern müssen auch die Mädchen jetzt von Psychologen betreut werden: "Wie sollen wir das sonst je verkraften?"

Wie Sebastians Familie quält viele Menschen auf der Insel eine Frage: Warum? "Wir haben keine Antworten. Wir entzünden ein Licht, beten, dass Sebastian nun in den starken Armen Gottes liegt", so die Insel-Pastorin (Bild 7) bei der Trauerandacht am Mittwochabend.

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