Verteidigungsminister Norbert Darabos hatte angekündigt, dass Krypta und Weiheraum bis zum Nationalfeiertag am 26. Oktober Stätten des "würdigen Totengedenkens" an die Weltkriegsgefallenen werden - ohne Referenzen an Kriegsverbrecher und das Naziregime. "Ich habe das Gefühl, dass Darabos guten Willens ist", so Winkler. "Als Verteidigungsminister würde ich mir aber von Künstlern etwas Neues, Zeitgemäßes vorschlagen lassen."
Suche nach versteckter Nazi-Huldigung
Eine Öffnung des "Denkmals des Toten Soldaten" (Bild) zur Klärung der Behauptung des Bildhauers Wilhelm Frass, er habe im Jahr 1935 dort eine Hülse mit einer Nazi-Huldigungsschrift deponiert, halte er für unbedingt notwendig, sagte Winkler: "Ich bin absolut dafür, dass das gemacht wird." Man könne keine Kränze vor dem Denkmal niederlegen, solange dies nicht geklärt sei. Wenn man wirklich etwas fände, gelte nur eines: "Das Höllenpapier gehört weg!"
Indes werden für die Untersuchung der Krypta bei der zuständigen Burghauptmannschaft die Weichen gestellt. "Wir sind dabei, uns mögliche Methoden anbieten zu lassen", erläuterte Burghauptmann Reinhold Sahl am Freitag. Wahrscheinlich werde man die Randsteine entfernen und den Deckel des Grabmals heben. Wenn dieser Vorgang "zerstörungsfrei möglich ist, dann stimmt das Bundesdenkmalamt zu", so der Wiener Landeskonservator Friedrich Dahm. Beide zeigten sich zuversichtlich, dass schon in wenigen Tagen eine Entscheidung über die Methode fällt und mit der Untersuchung begonnen werden kann.
Deserteurs-Denkmal am Heldenplatz?
Was ein geplantes Deserteurs-Denkmal angeht, gab man sich dagegen sowohl bei der Burghauptmannschaft als auch beim Bundesdenkmalamt abwartend. Momentan sei dies noch "Sache der Stadt Wien", erklärte Sahl. Erst wenn eine Standortentscheidung gefallen sei, werde der entsprechende Eigentümer damit befasst. Und erst wenn mit diesem Einigkeit bestehe, werde erneut das Bundesdenkmalamt eingeschaltet.
Winkler hält den Heldenplatz als Standort des Deserteurs-Denkmals für eine "gute Idee", denn "die Deserteure und Widerstandskämpfer waren auch Helden". Das Denkmal solle "auf jeden Fall auf einem prominenten und würdigen Platz stehen und nicht auf irgendeiner Verkehrsinsel". Für die Gestaltung des Denkmals "sollte man einen Künstlerwettbewerb für etwas Schönes, Würdiges, hoch Künstlerisches ausschreiben".
Winkler hofft darauf, dass auch seine Kollegen im Kunstsenat dazu Ideen entwickeln werden. Das Gremium soll Mitte Juli das nächste Mal zusammentreten. Neben Winkler sind derzeit Ilse Aichinger, Siegfried Anzinger, Christian Ludwig Attersee, Joannis Avramidis, Günter Brus, Friedrich Cerha, HK Gruber, Georg Friedrich Haas, Peter Handke, Hans Hollein, Wilhelm Holzbauer, Brigitte Kowanz, Maria Lassnig, Friederike Mayröcker, Gustav Peichl, Walter Pichler, Wolf D. Prix, Arnulf Rainer, Gerhard Rühm und Kurt Schwertsik im Kunstsenat vertreten.
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