Bauernaufstand

„Dieser Protest war sicherlich erst der Anfang“

Oberösterreich
08.01.2024 18:01

Innviertler Landwirte solidarisierten sich Montagfrüh mit ihren deutschen Kollegen und sperrten mit Traktoren eine halbe Stunde lang den Grenzübergang auf einer Brücke in Braunau. Der Protest war behördlich angemeldet und genehmigt worden. Es dürfte sich dabei um den Auftakt für noch weitere Aktionen gehandelt haben. 

Begleitet von Polizisten, machte sich Montagfrüh eine Gruppe Innviertler Landwirte im Konvoi mit Traktoren von der Bezirkssporthalle Braunau zur Innbrücke auf, die den Grenzübergang nach Bayern markiert. Zur gleichen Zeit rollten deutsche Bauern in der Gegenrichtung von Simbach auf den Flussübergang.

In dessen Mitte stoppten beide Gruppen und diskutierten eine halbe Stunde über die Probleme ihres Berufsstandes. Mit Transparenten wie „Ist der Bauer ruiniert, wird dein Essen importiert“ oder „Stirbt der Bauer, stirbt das Land“, unterstrichen sie ihren Protest, der sich vor allem gegen die gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU richtet.

Norbert Eibl (55) sieht die aktuellen Proteste als Hilfeschrei an die Öffentlichkeit (Bild: Scharinger Daniel)
Norbert Eibl (55) sieht die aktuellen Proteste als Hilfeschrei an die Öffentlichkeit

„Wir müssen auf die Straße gehen, damit die Öffentlichkeit auf unsere schwierige Situation aufmerksam wird“, sagt Norbert Eibl (55), der mit seinem Sohn in Gilgenberg einen Milchviehbetrieb mit 200 Rindern betreibt. Aus diesem Grund solidarisiere man sich nun auch mit den Protesten der deutschen Kollegen. „Wir sind am Leistungslimit angelangt, könnten nicht mehr kostendeckend erzeugen, falls auch bei uns Förderungen gekürzt werden“, so Eibl.

Mit gutem Gewissen produzieren
Manfred Amerhauser aus Franking pflichtet ihm bei. Die Innviertler Bauern sind sehr besorgt, dass Europas Landwirtschaft im Sinne der Gewinnmaximierung immer industrieller werde: „Wer will schon genverändertes Essen auf dem Tisch? Wir wollen Lebensmittel mit gutem Gewissen produzieren.“

Der Verkehr über die Brücke war in beide Richtungen lahmgelegt (Bild: Pressefoto Scharinger © Daniel Scharinger)
Der Verkehr über die Brücke war in beide Richtungen lahmgelegt

Walter Pfaffinger (50) betreibt in Franking eine Nebenerwerbslandwirtschaft mit 30 Milchkühen und Nachzucht: „Es ist eine Sauerei, dass die im Handel verkauften Lebensmittel ständig teurer werden, während unsere Erzeugerpreise bereits auf Vor-Corona-Niveau gesunken sind.“

Zu viel Bürokratie
Um seinen Hof erhalten zu können, arbeitet er hauptberuflich als Prozesstechniker in einem Elektronikunternehmen. Pfaffinger ärgert auch die Zunahme an bürokratischen Hürden: „2023 hatte ich sechs Betriebsprüfungen, bei denen zum Teil das Gleiche kontrolliert wurde.“

Sein Kollege Norbert Eibl rechnet damit, dass noch mehr heimische Bauern auf die Straße gehen werden: „Das war erst der Anfang, denn die Politik nimmt unsere Anliegen zu wenig ernst!“

„Krone“-Kommentar

(Bild: Krone KREATIV, Alexander Schwarzl, Markus Wenzel)

Mehr Solidarität mit den Bauern
Wir alle wollen gesunde Lebensmittel essen, die möglichst umwelt- und tierfreundlich produziert werden. Und das zu fairen Preisen für Produzent und Konsument. Letztere sehen aber meist nur die Handelspreise und die Förderungen, die in den Agrarbereich fließen. Wenn sie hören, dass Landwirte gegen Subventionskürzungen protestieren, wird das vielfach nur mit einem „Bauern haben eh immer etwas zu jammern“ achselzuckend zur Kenntnis genommen. Der Frust bei Landwirten ist inzwischen nicht nur in Deutschland sondern auch hierzulande enorm groß. Wir sollten - auch im eigenen Interesse - mehr Solidarität zeigen.

Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.



Kostenlose Spiele