Mit fast ungezügelter Schaffenskraft war der österreichische Künstler Arminio Rothstein sein Leben lang tätig. Nach seinem Ableben haben seine Kreationen im „Haus Habakuk“ in Bludenz ein neues Zuhause gefunden.
Im Herzen der Bludenzer Altstadt liegt die Rathausgasse 1 mit dem namensgebenden, historischen Gebäude. Über dem Barockportal des Hauses mit dem eingemeißelten Einhorn befindet sich ein kleines, von Efeu umranktes Fenster. Aus diesem schaut mit verträumten Blick Rapunzel auf die Passanten, ihr langes, zu einem Zopf geflochtenes Haar fällt dabei bis zum Torbogen herab. Die Märchengestalt ist ein Hinweis auf das, was sich hinter den Mauern des Gebäudes befindet, denn dort verbirgt sich eine kleine Wunderwelt. Mit Unterstützung der Stadt Bludenz, des Landes und dem „EU Leader Programm“ wurde an der Adresse das „Haus Habakuk“ eingerichtet. In diesem Rahmen wird das große kulturelle und künstlerische Erbe von Arminio Rothstein der Öffentlichkeit präsentiert und zugänglich gemacht. Der Wiener Künstler hat während seines Lebens (1927 bis 1994) hunderte Marionetten, Hand- und Stabpuppen sowie Skizzen und Zeichnungen gefertigt. Viele davon erlangten auch durch das Fernsehen große Bekanntheit.
Dass Rothsteins Nachlass nun in der Vorarlberger Alpenstadt zu bewundern ist, ist Christian Mair zu verdanken. Den heimischen Puppenspieler und Kabarettisten verbindet eine lange Freundschaft mit Arminios Witwe, Christine Rothstein. Ihr war es wichtig, dass die Kreationen ihres Mannes in „gute Hände“ kommen und bestenfalls weiterhin für Freude sorgen. Mit großem Einsatz und der öffentlichen Unterstützung ist es Mair und seinen Mitstreitern gelungen, eine Erlebniswelt im Andenken an Rothstein zu gestalten. „Wir haben pünktlich zur Langen Nacht der Museen eröffnet und wurden regelrecht überrollt von dem großen Andrang“, berichtet er erfreut. Die Besucher erwartet nicht nur liebevoll gestaltete Ausstellungsräumlichkeiten, sondern es werden auch Vorführungen und Märchenstunden im „Haus Habakuk“ geboten.
Eine kleine Bühne mit Samtvorhängen und historischen Theatersesseln bietet hierfür das richtige Ambiente. Zu Highlights der Ausstellung gehört Rothsteins originale Werkbank, auf der die meisten seiner kreativen Schöpfungen entstanden sind. „All seinen Werken gingen akribische Skizzen voraus. Arminio arbeitete nicht einfach darauf los. Jede Puppe, die er erschuf, hatte bereits einen festen Platz in einem Stück oder in einer von ihm erdachten Geschichte“, erzählt Mair.
Rothstein war ein positiv Getriebener
Arminio Rothstein, der gemeinsam mit Arik Brauer, Friedrich Hundertwasser und Ernst Fuchs Malerei studiert hat, ist den meisten unter seinem Alter Ego „Clown Habakuk“ bekannt. Mehr als 30 Jahre unterrichtete er zudem an einer Schule in Wien-Brigittenau Kunstgeschichte und Werkerziehung. Darüber hinaus schrieb und malte er, verfasste Drehbücher, war als Zauberkünstler und Musiker tätig und trat als Clown im Zirkus und Fernsehen auf. „Ich frage mich, wann er Zeit zum Schlafen fand“, wundert sich Mair ob des schier unerschöpflichen Tatendrangs des Künstlers. Rothstein war hinsichtlich seiner Kreativität wohl ein Getriebener, im positiven Sinne. Mit dem Theater Arlequin inszenierte er Stücke für Erwachsene mit Marionetten.
Im Jahr 1971 konzipierte Rothstein schließlich seine Kasperlsendung für das Fernsehen und prägte damit die Kindheit einer ganzen Generation. Einer der damaligen Puppenspieler im Ensemble war der heute über die Landesgrenzen hinaus bekannte Autor und Moderator Thomas Brezina. Wenige Jahre später gründete der Tausendsassa mit dem ARBÖ das einzige österreichische Verkehrserziehungstheater. Mit dem sogenannten Puppomobil, das mittlerweile ebenfalls in Bludenz zu sehen ist, gab es tausende Vorstellungen an Schulen im ganzen Land.
„Haus Habakuk“, Rathausgasse 1, Bludenz: Im Dezember gibt es zahlreiche Aufführungen und Märchenstunden für Klein und Groß. Alle Termine unter: www.habakuk.at/termine
Des weiteren sind in der Rathausgasse auch das originale Habakuk-Kostüm, Rothteins Skizzenbücher, sowie manche seiner bekanntesten Puppen und historische Puppentheater ausgestellt. Besonders freut sich Initiator Christian Mair darüber, dass das Puppenspiel seit einigen Jahren eine Art Renaissance erlebt: „Die junge Generation entdeckt diese Form der Unterhaltung quasi neu und für die ältere Generation hat das Metier fast schon einen nostalgischen Wert.“
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