Für den Kinderschutz

„Österreicher sind nicht bereit, teilzunehmen“

Sport-Mix
05.11.2023 06:15
Porträt von Clemens Linhart
Von Clemens Linhart

Dabei geht es um ein so wichtiges Thema. Und genau dafür gibt‘s am heutigen Sonntag wieder eine Sportveranstaltung. Aber: „Mit diesen Regeln, sind Österreicher leider nicht bereit, teilzunehmen“, seufzte Roberto d’Atri, Veranstalter des „d’atri Gold$title“.

Der d’Atri Gold was? Gold$title - ein Zehn-Mann-Box-Turnier mit klassischen Regeln, Ringrichtern und Punktesystem, garniert mit einem großen „Aber“. Gekämpft wird nämlich in einem italienischen, handgefertigten, schwarzen, 3x3-Meter kleinen Käfig, mit MMA-Handschuhen und ohne Gewichtsklassen. Klingt brutal - wird es auch. Allerdings für einen guten Zweck. Nämlich den Kinderschutz.

Ziel verfehlt
„Als leidenschaftlicher Box-Fan habe ich einfach meinen eigenen Titel, ganz nach dem Motto ‚die Stärksten kämpfen für die Schwächsten‘ kreiert, und da die Regeln ein bisschen angepasst“, präsentierte d’Atri, Gründer des Bündnis Kinderschutz Österreich (setzt sich für Kinder, die Opfer von sexuellem Missbrauch wurden, ein), sportkrone.at beim Besuch stolz sein Event. Das im Jänner Premiere feierte. Und das Ziel von einer halbjährlichen Veranstaltung bis dato verfehlt hat. „Es war Urlaubszeit dazwischen und zudem hat’s auch ewig gedauert, den neuen Käfig herzustellen.“

Bei all den Kuriositäten sucht man eines vergebens: Österreicher auf der Fight-Card. „Ich habe so ziemlich jedes Gym angefragt. Einige der Kämpfer sind im Boxverband, dürfen nicht außerhalb kämpfen. Andere haben keine Erfahrung mit MMA-Handschuhen und offenen Gewichtsklassen“, so der Mann aus Apulien.

Kämpfer lassen Handynummer da
Weshalb auf internationale Kämpfer zurückgegriffen werden musste. Im Hotel InterContinental warten auf den Sieger 5000 Euro Preisgeld. Alle Kämpfer lassen ihre Handynummer da, „damit missbrauchte Kinder jederzeit für Rat und Hilfe oder kräftige Unterstützung bei Gerichtsverfahren anrufen können.“

Das Preisgeld wurde um die Hälfte reduziert. Wohl auch, um diesmal die Fixkosten von 50.000 Euro decken zu können. Zudem ist im Ticketpreis (von 60 bis 400 Euro) eine Spende bereits inkludiert. Kommen kann jeder, (Rest-)Karten gibt’s noch. Gehofft wird nämlich auf 60.000 Euro, „damit wir mindestens 10.000 Euro in den Kinderschutz stecken können.“

„Die schauen vielleicht vor Discotheken gefährlich aus“ 
Im Fokus stehen also die Kinder: Sie dürfen bei Promi-Gästen wie Box-Aushängeschild Marcos Nader, dem dreifachen Kickbox-Weltmeister Mohamed Abdallah und Mansur Elsaev, Österreich Nummer eins im Halbschwergewicht, auf Autogrammjagd gehen. Ein Highlight zum Einheizen: Zwei Achtjährige kämpfen - natürlich mit Ganzkörperschutz - symbolisch um den Junior-Title. Zudem wird der zweite Teil vom Buch „Bubby Bär klärt auf“ präsentiert. „Eine adaptierte Version. Wir haben das Buch schon tausendfach in Schulen verteilt, womit die Lehrer kindgerecht Aufklärung (über sexuellen Missbrauch, Anm.) betreiben“, so der Besitzer des Luxusitalieners „Il Melograno“.

Bleibt nur eine Frage beim Motto (die Stärksten für die Schwächsten) offen: Könnte man als „die Stärksten“ nicht auch Bodybuilder assoziieren und ein Event ganz ohne Gewalt veranstalten? „Die schauen vielleicht vor Discotheken gefährlich aus“, lachte d’Atri, ehe er appellierte: „Wir bitten auch sie uns zu unterstützen! Weil wenn zwei ‚Schränke‘ zu einem Gerichtsverfahren kommen und die Kinder bestärken, hat das auch eine gewisse Wirkung."

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