Der Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern ist in Vorarlberg nach wie vor am größten. Wie können Frauen größere finanzielle Unabhängigkeit erreichen?
Vorarlberg ist auch heuer wieder das „schwarze Schaf“, wenn es um die Einkommen von Frauen geht. Der Equal Pay Day markiert jenen Tag im Jahr, ab dem Frauen statistisch gesehen „gratis“ arbeiten. In Vorarlberg fiel dieser Tag auf den zweiten Oktober. In allen anderen Bundesländern ist der Equal Pay Day zum Teil deutlich später.
Soziologin und Finanzexpertin
Auf Einladung von Arbeiterkammer, ÖGB Vorarlberg und AMS reiste die Soziologin und Finanzexpertin Birgit Happel zum Gedankenaustausch nach Feldkirch. Happel berät seit rund 20 Jahren Frauen bei Vorträgen und Seminaren, wie sie finanziell unabhängig sein können. Es ist zwar „schön“, wenn man in einer Partnerschaft finanziell abgesichert ist, meinte sie.
Was bedeutet das aber bei einer Trennung? Immerhin wird jede zweite Ehe geschieden. Dann stehen viele Frauen vor massiven finanziellen Problemen, und deshalb hinkt Vorarlberg auch bei den Pensionseinkommen von Frauen weit hinterher - denn wenn nicht gearbeitet wird, gibt’s eben auch keine Pensionszahlungen.
Kinderbetreuung als Hindernis
„Frauen übernehmen einen großen Teil der unbezahlten Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeit, sie sind überdurchschnittlich oft in Teilzeit beschäftigt, sie arbeiten oft im Niedriglohnsektor und können so ihre eigenständige Existenzsicherung nicht immer aufrechterhalten“, betont Happel. In Vorarlberg liegt die Teilzeitquote bei Frauen bei fast 53 Prozent. Bei Frauen mit Kindern unter 15 Jahren sogar bei 82 Prozent. Grund dafür ist die mangelnde Kinderbetreuung. In Vorarlberg liegt etwa der Anteil an Betreuungseinrichtungen, die ein Mittagessen anbieten, bei mageren 29 Prozent - im Österreichschnitt immerhin bei 63 Prozent.
Frauentypische Berufe werden schlechter bezahlt, Carearbeit ist kaum abgesichert.
Birgit Happel
Beachtenswert ist auch, wie in der Gesellschaft das Thema Frauen und Arbeit betrachtet wird. Frauen müssen sich hier oft gegen Vorurteile stemmen. So sind etwas die Hauptgründe für eine Überschuldung bei Frauen Arbeitslosigkeit, Einkommensarmut, Krankheit und Scheidung - „und nicht etwa ein schlechter Umgang mit Geld oder das Konsumverhalten“, erklärte Happel.
Bessere Bezahlung, mehr Flexibilität
Die Wirklichkeit sieht nämlich anders aus: „Frauentypische Berufe werden schlechter bezahlt, Carearbeit ist kaum abgesichert, und es mangelt an der nötigen Infrastruktur etwa bei der Kinderbetreuung“, nennt Happel nur einige wenige Hemmschuhe. Mehr als 50 Prozent der Männer würden zudem weiterhin am traditionellen Familienbild festhalten. Bei Geld- und Finanzfragen haben ebenfalls nach wie vor mit einem Anteil von 45 Prozent die Männer „die Hosen an“.
Happels Forderungen decken sich mit jenen von Arbeiterkammer und Gewerkschaft: Mehr Kinderbetreuungsangebote, bessere Bezahlung für frauentypische Berufe, Einkommenstransparenz, gleichberechtigte Elternschaft und mehr Flexibilität im Erwerbsverlauf.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.