Eine Genossenschaft in Wien schlittert durch dubiose Vorgänge in Konkurs, alle Bewohner erhalten per Gerichtsbeschluss ihren Finanzierungsbeitrag zurück - einzig ein Donaustädter (31) und seine Familie müssen um fast 20.000 Euro bangen. Sie hatten besonderes Pech. Und hoffen, auf ein kleines Wunder.
Manchmal entscheiden Zufälle, ob du im Leben auf der Sonnen- oder Schattenseite stehst. Nino S. (31) kann ein Lied davon singen. Er wohnte samt Lebensgefährtin in einem Haus der berüchtigten Genossenschaft „Die Eigentum“ in der Donaustädter Eduard-Gaertner-Gasse.
Als Sohn Mattheo zur Welt kam, wurde die Bleibe für die Familie zu klein, und sie kündigte den Mietvertrag – allerdings zum ungünstigsten Zeitpunkt. Zwei Wochen später meldete die Genossenschaft Konkurs an. Anlass: Der Firmenchef soll sich mutmaßlich an der Firmenkasse vergriffen haben. Der Mann wanderte in U-Haft.
Alles ein Irrtum
Die Arbeiterkammer zog vor Gericht und erwirkte beim Obersten Gerichtshof ein bahnbrechendes Urteil: Sämtliche Bewohner erhalten ihren (abgezinsten) Finanzierungsbeitrag zurück - wir berichteten. Auch Nino S. freute sich. Er erhielt ein Schreiben, dass er knapp 19.400 Euro retour erhalten würde. Doch Fehlanzeige: „Das Schreiben war ein bedauerlicher Irrtum“, erklärt Masseverwalter Michael Lentsch der „Krone“.
Da passt doch was nicht. Zuerst heißt es, dass ich mein Geld zurückerhalte. Jetzt bekomme ich als Einziger doch nichts.
Nino S., Familienvater
Denn: Weil Kündigungsdatum und Konkursanmeldung so eng beieinander liegen, bestehe kein Rückforderungsanspruch. AK-Experten bestätigen: Laut Gesetz darf der Masseverwalter das Geld nicht auszahlen. Nino S.’ 19.400 Euro fallen in die Konkursmasse. Der Metallverarbeiter und seine Familie müssen sich hinten anstellen und bekommen vielleicht irgendwann mal eine mickrige Quote.
„Ich arbeite seit meinem 15. Lebensjahr und spare auf ein Haus“, sagt der 31-Jährige. Den vermeintlichen Retour-Betrag hätte er gerne für die Anzahlung auf das neue Domizil verwendet. Jetzt musste er dafür einen Kredit aufnehmen. Doch ganz gibt der Familienvater nicht auf. Er hofft, dass Organisationen wie Mieterhilfe & Co. noch etwas bewirken könnten.
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