Das kleine Wiener Kosmos-Theater widmet der früh verstorbenen Helena Adler einen großen Abend: „Die Infantin trägt den Scheitel links“ gelingt vorzüglich.
Im Juni 2023 war das, eine Woche vor Beginn des Bachmann-Wettlesens: Druckfertige Interviews wurden weggeworfen, denn die favorisierte Salzburgerin Helena Adler hatte ihre Teilnahme im Gefolge einer abklärungsbedürftigen medizinischen Diagnose abgesagt. Sieben Monate später war sie der bösartigsten Variante des Gehirntumors erlegen.
Sie war 40 Jahre alt, hochdekoriert vor allem für das Geniewerk „Die Infantin trägt den Scheitel links“: ein „Anti-Heimatroman“, aber fern von der schon beschwerlichen Dorfhöllen-Depressionsroutine. Sondern ein hoch virtuoser barocker Ekelschwall, poetisch und obszön, uferlos und doch formal perfekt, giftig schillernd wie die Fleischfliegen, von denen die autobiografische Protagonistin durch die scheußliche Dorfkindheit gejagt wird.
Bühnenfüllender Strohhaufen
Das Wiener Kosmos-Theater setzt das mit bestem Resultat um. Der Ausstatter Aurel Lenfert hat in das kleine Haus einen bühnenfüllenden Strohhaufen gesetzt, auf dem die Regisseurin und Bearbeiterin Susanne Lietzow ein hoch emotionales Sprechoratorium entfesselt. Alles ist hier Wort, aber derart plastisch, dass man sich begeistert in die Adler’schen Bilderwelten katapultieren lässt.
Im Zentrum agiert die Verstorbene selbst, eine Sprechpuppe von gnomenhaftem Charme, die scheinbar träumend in sich hineinlauscht und dort alle Schrecken einer deformierten, aufbegehrenden Seele vorfindet. Klaus Huhle, Sebastian Pass, Lisa Schrammel und Martina Spitzer leisten Fabelhaftes.
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