Spannende Einblicke

Bonn: Wo Ludwig van Beethoven tanzte

Reisen & Urlaub
08.06.2023 09:00

Bonn, die einstige Hauptstadt Deutschlands, ist nicht nur wegen des Geburtshauses des Komponisten eine Reise wert. Auch eine einst streng geheime Bunkeranlage bietet spannende Einblicke.

Die Miene düster, der Blick starr, die Haare wild und ungekämmt zu Berge stehend – so kennen wir Ludwig van Beethoven von seinem vielleicht bekanntesten Porträt eines zeitgenössischen Malers. Es stammt aus seinen letzten Lebensjahren, als er schon vollständig taub war. Das Bild vermittelt den Eindruck der totalen Entschlossenheit.

Es gab aber auch den jungen Beethoven, der seine ersten 22 Lebensjahre in einem Hinterhaus im Bonner Zentrum verbrachte. Diese sind gut in einem Museum dokumentiert, das mit viel Liebe in dem Gebäude betrieben wird.

Ludwig van Beethoven (Bild: Peter Grotter)
Ludwig van Beethoven

Der junge Ludwig machte als Pianist und Bratschenspieler schnell von sich reden, und sein Genie als Komponist wurde bald erkannt. Mit 18 Jahren spielte er bereits am Hof des Kurfürsten. Genau diese Bratsche, die er damals verwendete, ist jetzt der ganze Stolz des Museums. Zu sehen sind auch die riesigen Hörrohre, die dem tauben Beethoven späterer Jahre mit wenig Erfolg ein Mindestmaß an Hörerlebnis vermitteln sollten. Ebenso ausgestellt sind Konversationshefte, in die Beethoven seine Besucher ihre Fragen schreiben ließ, weil der Komponist nichts mehr hörte.

Eines steht fest: Leicht hatte es Beethoven nie, schon im Alter von 16 Jahren musste er die Familie erhalten, weil der Vater dem Alkohol verfallen war. Und doch dürfte der junge Beethoven auch ein lebenslustiger Menschen gewesen sein. Überliefert ist, dass er in einem Saal, der heute ein Lokal beherbergt, öfter beim Tanzen mit seiner Jugendliebe gesehen wurde.

Die Miene düster, der Blick starr, die Haare wild und ungekämmt zu Berge stehend - so kennen wir Ludwig van Beethoven von seinem vielleicht bekanntesten Porträt eines zeitgenössischen Malers. (Bild: Gemeinfrei)
Die Miene düster, der Blick starr, die Haare wild und ungekämmt zu Berge stehend - so kennen wir Ludwig van Beethoven von seinem vielleicht bekanntesten Porträt eines zeitgenössischen Malers.

Der Kurfürst, der Sohn Kaiserin Maria Theresias, ebnete für den Komponisten auch den Weg nach Wien. Er sollte bei Mozart in „die Lehre“ gehen. Doch Mozart war kurz davor verstorben. So wurde ein anderer sein Lehrer: Joseph Haydn. Ein zeitgenössisches Zitat brachte es auf den Punkt: „Mozarts Geist aus Haydns Händen“.

INFOS

  • Deutsche Zentrale für Tourismus
    1070 Wien, Mariahilfer Straße 54
    01/513 27 92, www.germany.travel

Das Beethoven-Haus in der Bonner Altstadt ist von Mittwoch bis Montag von 10 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet. Der Regierungsbunker in Bad Neuenahr-Ahrweiler kann bis Mitte November von Einzelbesuchern jeweils Samstag und Sonntag und an bestimmten Feiertagen besichtigt werden, der Zutritt ist aber nur in Gruppen bei Führungen möglich.

Aber nur wegen des Beethoven-Hauses allein würde niemand nach Bonn kommen. Bonn ist eine durchaus sympathische Stadt, mit wunderschönen Villenvierteln, die zum Bummeln einladen.

Wesentlich ist aber, dass die Stadt am Rhein von 1949 bis 1990 Hauptstadt Deutschlands war. Dies war notwendig, weil Berlin, umgeben vom Eisernen Vorhang, mitten in DDR-Gebiet lag und damit als Regierungssitz ungeeignet war. Viele Sehenswürdigkeiten stammen aus dieser Zeit. Im Regierungsviertel lohnt ein Spaziergang, vorbei am früheren Bundeskanzleramt. Gleich daneben die Villa Hammerschmidt, wo einst der Bundespräsident residierte.

Einige Kilometer außerhalb befindet sich der Petersberg. Abgesehen davon, dass er ein wunderbares Wandergebiet ist, wurde hier deutsche Geschichte geschrieben. Ein Museum dokumentiert das eindrucksvoll.

Nach dem Krieg war das Gebäude Gästehaus
Die Regierung beherbergte darin Staatsgäste wie Queen Elizabeth, Präsident Kennedy oder Leonid Breschnew. Die Queen brachte sogar ihr Tafelsilber und das Teewasser mit. Leonid Breschnew wiederum sorgte für Aufregung, weil er sein Begrüßungsgeschenk, ein Mercedes-Cabrio, bei der Jungfernfahrt demolierte.

Ein Ausstellungsstück im einstigen Bunker der deutschen Regierung: ein Anti-Strahlen-Anzug. (Bild: Peter Grotter)
Ein Ausstellungsstück im einstigen Bunker der deutschen Regierung: ein Anti-Strahlen-Anzug.

Ein Kind des Kalten Krieges war auch eine Bunkeranlage, in die sich die deutsche Bundesregierung im Falle eines Atomkrieges hätte zurückziehen können. Es befindet sich im Ahrtal, knapp 30 Kilometer von Bonn entfernt. Der Bunker wurde in einer drei Kilometer langen Tunnelanlage eingerichtet und war der geheimste Ort der Republik. Heute ist eine Dokumentationsstätte eingerichtet, die die ganze Absurdität des Baus zeigt.

Der Plan bestand darin, die Regierung im Ernstfall, etwa bei einem Atomkrieg, dorthin zu bringen. Bis zu 3000 Personen hätten in den karg eingerichteten Zimmern Platz gefunden. Auf Feldbetten, von denen jeweils vier in den engen Räumen stehen. Nur Bundeskanzler und Präsident hätten Anspruch auf Einzelzimmer gehabt. Vorgesorgt war für alles: Es gab einen Friseur, ein kleines Fernsehstudio für Ansprachen, ein kleines Spital. Doch gemütlich wäre es in den Räumen keinesfalls gewesen. Die Temperatur in dem Bunker beträgt im Sommer und im Winter nur 12 Grad.

Tonnenschwere Türen, die schnell geschlossen werden können, sollten die Bewohner vor gefährlicher Strahlung beschützen. Ausgelegt war die Bunkeranlage für eine Benützungsdauer von 30 Tagen. Tatsächlich verwendet wurde sie nie. 1989, nach dem Fall der Mauer, hat man sie geschlossen und erst jetzt als Museum für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Peter Grotter
Peter Grotter
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