Das fünfte Spiel Österreichs bei der Eishockey-A-WM in Tampere steckt voller Prestige: Denn das ÖEHV-Team bekommt es in der Noika-Arena am Freitag ab 19.20 Uhr mit Deutschland zu tun. Die Deutschen feierten am Donnerstag mit dem 6:4 über Dänemark den ersten Sieg, sind für Österreichs früheren Kapitän Herbert Hohenberger Favorit - stehen aber auch mehr unter Druck.
Wenn der Österreicher bei Deutschen Vorurteile weckt - Herbert Hohenberger erinnert sich schmunzelnd daran: Das 2:2 gegen den großen Nachbarn bei der A-WM 1994 in Bozen öffnete ihm die Tür zur deutschen Liga, Köln lockte mit einem 5-Jahres-Vertrag. „Viele meinten, Köln sei nicht ganz dicht, damals waren pro Klub nur zwei Legionäre erlaubt, war es Usus, Kanadier oder Russen zu holen. Aber nicht einen Östereicher“, lacht der 54-Jährige.
Ein Jahr später war Köln Meister - mit Hohenberger als einem der Team-Leader. Heute ist der Kärntner Co-Trainer beim deutschen Zweitligisten Krefeld und gespannt aufs morgige Duell in Tampere: „Die Deutschen sind Favorit, haben aber nach dem mäßigen Start diesmal auch die Hosen voll, können es sich nicht leisten, hochnäsig aufzutreten. Und sie stehen aufgrund der allgemeinen Erwartungshaltungen auch mehr unter Druck.“ Die Deutschen feierten nach drei Niederlagen zum Start am Donnerstag den ersten Sieg, rangen Dänemark nach hartem Kampf 6:4 nieder und liegen nun mit drei Punkten als Sechster der Gruppe A zwei Zähler vor dem nunmehrigen Schlusslicht Österreich.
Mit 158 Länderspielen zählt Hohenberger zu den Top 10 in Österreich, spielte selbst bei neun A-WM-Turnieren: „Da sind viele positive Erinnerungen dabei, wie Platz 8 1994. Bitter waren immer die Abstiege.“ Im Gegensatz zu heute setzten die Teamchefs damals mehr auf Routine und erfahrene Spieler: „Das Eishockey hat sich aber auch verändert, ist schneller geworden, nicht mehr so brutal wie früher. Da kam es schon vor, dass einem nach einem Check noch zwei Tage später schwindlig war.“ Sagt einer, der selbst auch gerne austeilte, allein im Österreich-Dress - nebst 22 Toren und 51 Assists - 346 Strafminuten sammelte.
Österreich lukrativer
Über eines ist der Kärntner froh: „Dass es früher im Team nicht wie heute sechs Wochen Vorbereitung gab. Da wäre aber auch keiner von uns so früh hingefahren.“Dass im Gegensatz zu früher heute kein Österreicher mehr in Deutschlands höchster Liga DEL spielt, verwundert Hohenberger nicht: „Top-Klubs wie Mannheim oder Köln haben so gut wie nie einen auf dem Zettel stehen. Zum Rest brauchst man als guter Österreicher nicht gehen, denn da verdienst in Wien oder Salzburg besser. Und heute geht es für die meisten nun mal mehr um die Kohle als ums Sportliche.“
Eines steht für den Villacher fest: „Österreich wird auch in Zukunft eine Fahrstuhl-Nation bleiben. Du musst einfach wissen, welche Spiele du gewinnen kannst. Ob wir gegen Kanada 1:5 oder 0:10 verlieren, war uns völlig egal. Frankreich und Italien mussten wir biegen - das ist uns meistens auch gelungen.“ Für heuer ist er zuversichtlich: „Unser Team wird am Ende den Klassenerhalt schaffen, Ungarn steigt in unserer Gruppe ab.“
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