Übung am Erzberg

Wenn ein Tunnel zur Feuerhölle wird

Österreich
18.04.2023 06:00

Es ist eine gespenstische Szenerie, die sich dem Reporterteam der „Krone“ bietet. Denn als wären sie gerade ineinander gekracht, stehen sechs demolierte Autos im Tunnel, in den nur fahles Licht dringt. „Ausgebrannte“ Stahlgerippe - in denen immer wieder per Knopfdruck durch zuströmendes Gas kontrolliert ein Flammeninferno ausgelöst wird, komplettieren das Bild.

Eine Ahnung von einer Katastrophe schlimmen Ausmaßes wie 1999 im Tauerntunnel, als nach einem Unfall zwölf Tote und 42 Verletzte zu beklagen waren. Damals hatte eine 1200 Grad heiße Feuerwalze 16 Lastwagen und 24 Autos zerstört.

„Wasser Marsch“ mit besonderer Brisanz
„Einer der Stollen wurde vor 150 Jahren in den Berg getrieben, und auf diesen Schienen rollten einst tatsächlich die Erztransporte ans Tageslicht“, schildert Professor Robert Galler, weltweit gefragter Planer und Berater für Geotechnik und Hohlraumbau, der diese einzigartige Forschungsanlage der Montanuni in Leoben hütet und bisher 500 Brandbekämpfungsteams aus der ganzen Welt (von Griechenland bis Israel) in dieses technische Universum tief unter der Erde vordringen ließ.

„Wir können uns hier absolut realitätsnah vorbereiten“, schildert Trainer Mario Leidinger, 36-jähriger Brandkommissar aus Linz, der beim Lokalaugenschein die Übung von Feuerwehrleuten aus ganz Österreich (aus Imst, Villach; auch Wiener Berufsflorianis sind dabei) leitet.

Zugunglücke werden auch simuliert
Viele der Männer opfern dafür ihre Freizeit. Hauptfeuerwehrmann Daniel Tschemirnjak und sein Kamerad Christian Ratschnig aus Kärnten sind da keine Ausnahme. Für sie hat das „Wasser Marsch“ unter der Erde besondere Brisanz. Denn durch ihr Einsatzgebiet verlaufen der Karawanken- und Koralm-Tunnel. Oberste Maxime beim Vordringen: Zuerst die Decke löschen, dann erst die Fahrzeuge.

Denn erstere kann sich lösen und Opfer unter sich begraben. Simuliert werden auch Zugunglücke in einer Röhre, die maßstabsgetreu echten Eisenbahntunnels nachgebaut ist. „Möge uns die in einer Nische wachende heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute, vor einem Ernstfall bewahren“, sagt ein Helfer mit Blick Richtung Himmel - die „verrauchte Decke“ - leise.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Österreich
18.04.2023 06:00
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung