24.01.2023 17:10 |

„Betonkäfig“

Nachbau von Nawalnys Zelle steht nun in Berlin

Gegenüber der russischen Botschaft in Berlin haben Anhänger von Alexej Nawalny die Gefängniszelle des Oppositionspolitikers nachgebaut (siehe Video oben). Es ist jener „Betonkäfig“, in den Nawalny immer wieder wegen kleinster „Vergehen“ gesteckt wird.

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Die Kopie soll vor Augen führen, was Isolationshaft in Russland bedeutet. Am Dienstag wurde die Installation eröffnet. Sie soll von Nawalnys Bruder, Oleg Nawalny, der einst selbst politischer Gefangener war, ins Leben gerufen worden sein. Bis 23. Februar kann man die Zelle vor Ort besichtigen.

Schon zehnmal sei Nawalny in eine Strafzelle gesperrt worden, 105 Tage insgesamt, sagt seine Sprecherin Kira Jarmysch. Sie beklagt eine totale Entmenschlichung des Systems. Der Politiker muss diese besonders harten Strafen immer wieder hinnehmen, weil er sich mit Wächtern anlegt und etwa Rechte einklagt.

Nawalnys Tochter, Darja Nawalnaja, äußert sich regelmäßig in den sozialen Netzwerken über die Haftbedingungen, die ihr Vater erdulden muss. Niemand wolle ins Gefängnis, aber Gefängnis in Russland sei noch einmal eine eigene Kategorie für sich. Seit Mitte August sei ihr Vater in einer zwei mal zwei Meter großen Strafzelle untergebracht. Den ganzen Tag sitze er auf einem Eisenstuhl, sogar sein Bett werde von 6 bis 22 Uhr an die Wand geschraubt.

Isolationshaft reine Schikane
In den vergangenen sechs Monaten war Nawalny immer wieder in Isolationshaft verlegt worden - das letzte Mal am 31. Dezember. Die Begründung: Der Politiker habe sich zur falschen Zeit das Gesicht gewaschen. Sein Anwalt, Wadim Kobsew, machte daraufhin öffentlich, dass Nawalny mit schweren Grippesymptomen zu kämpfen habe und nicht medizinisch versorgt werde. Daraufhin forderten russische Ärzte und Rechtsanwälte in einem offenen Brief, Nawalny nicht mehr wegen vorgeschobener Gründe in Isolationshaft zu schicken.

Nawalny drohen bis zu 30 Jahre Haft
Der Oppositionspolitiker Nawalny war im Jänner 2021 verhaftet worden. Zuvor war er von Deutschland, wo er sich von einem Giftanschlag erholt hatte, zurück nach Russland geflogen. Später wurde Nawalny wegen Betrugs zu neun Jahren Haft verurteilt. Er weist die Vorwürfe zurück. Im Oktober vergangenen Jahres gab er bekannt, dass neue Anklagen gegen ihn vorliegen würden, die mit bis zu 30 Jahren Haft geahndet werden könnten.

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