Echt stark: Mikaela Shiffrin hat im Rahmen des Ski-Weltcups am Semmering den 2. Riesentorlauf binnen 24 Stunden gewonnen! Die US-Amerikanerin setzte sich am Mittwoch bei ihrem 79. Karriere-Sieg um 0,10 Sekunden vor der Schweizerin Lara Gut-Behrami und 0,47 Sekunden vor der Italienerin Marta Bassino durch. Österreichs Läuferinnen konnten im Gegensatz zum Vortag ein Top-Ten-Finish verzeichnen: Ricarda Haaser (+1,50) belegte den achten Platz. Die Halbzeit-Sechste Katharina Truppe stürzte im Finale.
Vor 5300 Zuschauern hatten sich Shiffrin und Gut-Behrami im 1. Durchgang schon klar abgesetzt. Die Schweizerin lag 22 Hundertstelsekunden vor ihrer Konkurrentin, Bassino war bereits 0,81 Sekunden im Hintertreffen. Am Donnerstag (15 und 18.30 Uhr) findet am Semmering noch ein Slalom unter Flutlicht statt - dabei hat Shiffrin die Chance, wie 2016 in allen drei Rennen auf dem „Zauberberg“ zu triumphieren.
„Es war schwierig, es war so dunkel und es waren wirklich große Schläge dabei. Ich habe einfach versucht zu attackieren“, sagte die 27-Jährige im ORF-Interview. „Ich habe versucht, nichts herzuschenken und einfach stark zu sein.“ Ihre vier Läufe in den vergangenen zwei Tagen seien ihr ziemlich gut gelungen, merkte Shiffrin freilich mit Understatement an.
Und doch: „Nach gestern fühlte ich mich fast zum Siegen gezwungen - und immer wenn ich mich so fühle, gewinne ich meistens nicht“, sprach Shiffrin die durch den Vortages-Sieg gestiegene Erwartungshaltung an. „Ich habe einfach versucht, schnell Ski zu fahren - glücklicherweise ist mir das gelungen.“ Zwei Rennen hintereinander zu gewinnen, sei eine enorme Herausforderung, meinte der Ski-Superstar. „Wenn du zwei Rennen hintereinander fährst und ein gutes erstes hast, macht es ein gutes zweites einfacher. Aber für mich wird es damit auch schwieriger, weil ich dann nervöser bin.“
Elisabeth Kappaurer (18./+2,92), Katharina Liensberger (19./+3,17), Stephanie Brunner (20./+3,18) und Franziska Gritsch (22./+3,40) klassierten sich im Mittelfeld. Ramona Siebenhofer passierte nach einem fehlerbehafteten ersten Lauf das letzte Tor nicht korrekt und wurde aus der Wertung genommen. Katharina Huber kam zu Sturz und war ebenfalls nicht in der Entscheidung der besten 30.
„Ich komme dem Ganzen, wo ich hin will, schön langsam immer näher“, meinte Haaser nach ihrer besten Platzierung seit Aare im März (5.). „Es waren zwei solide Läufe, nicht ganz am Limit, wo ich weiß, dass es auch funktioniert.“ Sie brauche im Saisonverlauf ein paar gute Ergebnisse, um Sicherheit zu spüren und ungehemmter attackieren zu können, ließ die Tirolerin durchblicken. Ein kleiner Schritt sei nun passiert. „Mit diesem guten Ergebnis kann ich mich für die nächsten Rennen steigern.“
Truppe hatte vor dem Mittag von einem „Schritt in die richtige Richtung“ gesprochen, am Nachmittag schlug sie sich nach einem Schlag die Skier zusammen und landete im Schnee. „Außer Herzschmerz ist nichts passiert“, blieb die Kärntnerin bei ihrem Sturz immerhin unverletzt - wobei der Ausfall freilich anders schmerzte: „Es tut doch weh, ich glaube, heute wäre ein Platz unter den Top-Ten drinnen gewesen. Aber immerhin habe ich den Ski wieder laufen gelassen und immerhin ein bissl zu alter Stärke zurückgefunden.“
Herbert Mandl sah sich in seinen jüngeren Einschätzungen bestätigt. „Man sieht, wenn sie couragierter fahren, sind sie dabei - da fehlt es nicht so weit“, meinte der ÖSV-Alpinchef. „Es wäre ja ein kleiner Fortschritt heute gewesen - schade um die Kathi (Truppe), die wäre ja brav gewesen.“ Liensberger indes fand am Semmering bisher nicht auf die Erfolgsspur zurück. Der Mittwoch-RTL war für die Vorarlbergerin wohl zu flüssig gesetzt. „Es waren wirklich beide Läufe voll zum Attackieren mit wenig Kurven drin. Ich habe mich besser gefühlt im zweiten Durchgang vom Empfinden her, aber ich habe die Skier doch zu wenig ausgelassen“, meinte die Tages-19.
Shiffrin schloss mit ihrem 16. Weltcup-Sieg im Riesentorlauf in der Liste der Disziplin-Besten zur zweitgereihten Österreicherin Annemarie Moser-Pröll und der Französin Tessa Worley auf, die diesmal Zehnte wurde. Mehr Siege als dieses Trio hat nur die Schweizerin Vreni Schneider (20) auf der Habenseite. Im übergeordneten Ranking fehlen der Gesamtweltcup-Führenden nur noch drei Rennsiege, um den Rekord ihrer Landsfrau Lindsey Vonn (82) zu egalisieren. Im besten Fall könnte Shiffrin die Bestmarke bereits nächste Woche in Zagreb, wo zwei Slaloms angesetzt sind, erreichen.
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