„Krone Vorarlberg“-Kolumnist Harald Petermichl hat sich für die neueste Ausgabe von „Ach, übrigens...“ sowohl mit Sportvereinen aus dem hohen Norden und deren Ehrenmitgliedern, als auch mit der historisch allerersten Weltfußballerin Ada Hegerberg, die weit mehr als kickt, beschäftigt.
Um die Frage, ob es oft vorkommt, dass Polarforscher Ehrenmitglieder von Sportvereinen sind, beantworten zu können, wäre erst einiges an Recherche nötig, aber vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig. Roald Amundsen jedenfalls ist Ehrenmitglied von Kolbotn IL, entstanden 1945 aus einer Fusion verschiedener Vereine mit lustigen norwegischen Namen. Mit Jon Rønningen hat der Club einen zweifachen Fliegengewicht-Olympiasieger im griechisch-römischen Ringen hervorgebracht, aber auch im Fußball ist der Dorfverein aus der Provinz Fylke eine große Nummer und keine Geringere als Ada Hegerberg, 2018 allererste Weltfußballerin des Jahres, hat dort mit 16 Jahren die Fußballschuhe geschnürt, bevor es sie über Stabaek und Potsdam nach Lyon zog, wo sie mit OL mittlerweile sechs Champions League-Titel gewonnen hat.
Ada Hegerberg ist aber viel mehr als eine begnadete Kickerin. Sie ist eine glasklar denkende, streitbare junge Frau, allergisch gegen Ungleichbehandlungen aller Art, der das ewige Ammenmärchen von FIFA, UEFA und Konsorten, Sport habe mit Politik nichts zu tun, allenfalls ein Lächeln zu entlocken vermag. Konsequent, wie sie ist, verließ sie 2017 nach erheblichen Differenzen mit ihrem Verband in Sachen Wertschätzung des Frauenfußballs das Nationalteam, um erst wieder zurückzukehren, als erste Verbesserungen stattgefunden hatten.
Und nur wenige Stunden nach dem ekelhaften Mordanschlag auf einen queeren Nachtclub in Oslo schnappte sie sich nach einem Tor im Spiel gegen Neuseeland die LGBTIQ-Armbinde ihrer Kapitänin, um statt des üblichen Jubels dieses Symbol der Vielfalt stolz der Tribüne zu präsentieren. Ihr war es in diesem Moment wichtig, die „Freude und Vielfalt zu feiern“, denn „wenn solche Dinge passieren, geht es darum, zusammenzustehen und Liebe zu zeigen.“
Dass ihr die mehr als eklatanten Unterschiede zwischen Damen- und Herrenfußball, was das liebe Geld betrifft, ein Dorn im Auge sind, versteht sich von selbst, aber noch viel wichtiger ist ihr die Professionalisierung des Frauenfußballs auf allen Ebenen und die Gleichbehandlung von Mädchen und Jungen bereits im Nachwuchsbereich. Da ist noch verdammt viel zu tun. Und dann wäre da noch die Studie „Global Sports Salaries Survey“, die besagt, dass die 1.700 Spielerinnen der wichtigsten Frauen-Ligen zusammen etwa das Gleiche verdienen wie ein Herr Neymar allein zu Haus. Aber heute soll Ada erst mal ihren Geburtstag feiern, bevor sie sich damit sicher auch noch beschäftigen wird. Herzlichen Glückwunsch und weiter so!













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