04.07.2022 06:00 |

Personalnot in Wien

Ist Kinder- und Jugendschutz noch gewährleistet?

Nicht alle Eltern können ihrer Rolle gerecht werden. 5000 Minderjährige befinden sich derzeit in der Obhut der Stadt Wien. Die Mitarbeiter sind überfordert, Personal fehlt. Wie lange geht das noch gut?

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Die Personalnot betrifft mittlerweile auch schon die Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Wien. Das ist jene Institution, die sich um den Nachwuchs kümmert, dessen Eltern es nicht (mehr) können. Von 582 abgenommenen Kindern im vergangenen Jahr konnten lediglich neun bei Verwandten untergebracht werden. Der Großteil wird von engagierten Sozialarbeitern aufgefangen, die überlastet sind. Laut Ursula Berner (Grüne) sollen die Mitarbeiter den verantwortlichen Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr (NEOS) im Juni darüber informiert haben, dass der gesetzliche Auftrag des Kinderschutzes nicht mehr länger in vollem Umfang gewährleistet werden könne.

Zu viele offene Stellen, zu wenig Krisenpflegeeltern
Bereits im Jahr 2019 kritisierte der Stadtrechnungshof zu viele offene Stellen. 42 zusätzliche Sozialarbeiter sollten eingestellt werden. Laut MA 11 wurden 18 Posten geschaffen, neun weitere sollen im September folgen. Der Rest in den nächsten beiden Jahren. Glaubt man Berner, sind das viel zu wenig: „Derzeit befinden sich 78 Kinder bis drei Jahre in Krisengruppen. In diesem Alter sollten sie aber eigentlich bei Pflegeeltern sein.“ Doch auch hier fehlt es an Ressourcen. In ganz Wien gibt es lediglich 38 Krisenpflegeeltern.

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Die Belastung in der sozialen Arbeit ist hoch. Unsere Mitarbeiter leisten in schwierigen Situationen dennoch Großartiges.

Andrea Friemel von der MA 11

Die Krisenzentren platzen bereits aus allen Nähten
Jugend-WGs und Krisenzentren sind ebenso überfüllt. „Statt acht Minderjährigen pro Gruppe sind es derzeit im Durchschnitt 13. Daher müssen manche auf Matratzen übernachten, weil sie keine Betten haben“, berichtet Berner. In Krisenzentren verharren Betroffene statt sechs Wochen bis zu ein Jahr lang. Das macht auch den Betreuern zu schaffen, die unbezahlte Überstunden oder Bereitschaft absolvieren müssen.

Werden akute Probleme gelöst?
Dass der Kinderschutz beeinträchtigt wäre, verneint Andrea Friemel von der MA 11 vehement. Krisenzentren seien zwar belastet, dafür sei aber die ambulante Hilfe massiv ausgebaut worden - ebenso die Anzahl der Ausbildungsplätze. Ob das die derzeit akuten Probleme lösen wird, ist unklar. Zumindest noch so lange, bis die betreuten Kinder erwachsen sind ...

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