23.05.2022 14:38 |

Pommers Feierabend

Das ging ja ordentlich ins Auge

Einen schönen Montagabend

Ich konnte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig nicht mehr sehen. Und das im wahrsten Wortsinne. Am Tag vor unserem Interview, das höhere Wellen geschlagen hat als anfangs gedacht, hatte ich einen kleinen operativen Eingriff am unteren linken Augenlid (von mir aus). Ganz ohne Kontaktlinsen und Brille irrte ich durch das Ministerium am Stubenring, in dem ich mich schon einmal vor Monaten verirrt hatte, damals auf der Suche nach Wolfgang Mückstein. Als ich ihn damals endlich fand, den Mückstein, trat er kurz darauf zurück, wie auch Rudolf Anschober, den ich zuvor interviewen durfte. Freilich nicht wegen mir, aber ich dürfte Bundespolitikern am Ende kein großes Glück bringen. Als Maskottchen werde ich wohl nicht eingestellt. Der klassische Smalltalk vor einem Gespräch (meteorologische und politische Großwetterlage) blieb vergangenen Freitag aus, wir kamen gleich zur Sache: ich als Mr. Magoo, Norbert Totschnig, seine Pressesprecherin und die Assistentin der Pressesprecherin. Die Stimmung war so weit in Ordnung, bis ich meine erste Frage gestellt habe.

Viele werden es wohl wissen, aber besagte Pressesprecherin lehnte unsere Tierexpertin Maggie Entenfellner als Interviewerin ab. Machen wir mit ihr nicht, war die Aussage. Das fängt ja gut an, da werden Journalisten im Vorfeld aussortiert. Wir in der Redaktion haben intern lange diskutiert: Kein Interview machen oder hingehen und fragen, was er sich dabei gedacht hat? Wir haben uns für Letzteres entschieden - dass sich das Büro am Ende also doch den Interviewer aussuchen konnte, sorgte vereinzelt für Kritik, die wir natürlich mitnehmen. Dennoch wollten wir kein Auge zudrücken, was in meinem Fall auch nicht möglich gewesen wäre, und ihn direkt fragen: „Welches Verständnis von Pressefreiheit haben Sie, und wie passt die Forderung nach einem Interviewverbot für kritische Journalisten aus Ihrem eigenen Haus in dieses Bild?“ Langes Schweigen, lange Diskussion mit der Pressesprecherin, dann die Antwort: „Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut und für mich extrem wichtig.“ Lasse ich einmal so stehen.

Totschnig hatte keinen guten Start. Zuerst konnte er wegen Corona nicht angelobt werden, während seinen Chef die Pandemie nicht mehr kümmert, dann das missglückte Interview in der „Krone“, dazwischen das virale Video mit der Welle. Ich habe Dokumentationen über Sekten gesehen, in denen die Gurus weniger euphorisch begrüßt wurden als Totschnig von seinem Stab: Die Mitarbeiter machen die Welle, schütteln sich vor Freude, ich hätte mit einem Opferaltar für Erstgeborene gerechnet, vermutlich befand er sich außerhalb des Bildes. Auch darauf habe ich den Minister angesprochen.

Frage: Es ist ja ein Video viral gegangen, das zeigt, dass Mitarbeiter für Sie die Welle machen. Ist das verpflichtend? Und was passiert mit Mitarbeitern, die sich nicht vor Ihnen verbeugen?
Antwort: „Herr Pommer, ich bin hereingekommen, und die MitarbeiterInnen haben mich unglaublich herzlich empfangen. Da haben sie spontan diese Welle gemacht. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich freue mich, wenn die Mitarbeiter eine Freude haben, wenn Sie mit mir arbeiten.“

Glückseligkeit durch reine Anwesenheit. Manchen Menschen ist Großes gegeben.

Norbert Totschnig trifft sich nun doch mit Maggie Entenfellner, gemeinsam mit Tierschutzminister Johannes Rauch wird über das an sich fertige Tierschutzpaket gesprochen. Ziel: eine weitere Verbesserung des Tierwohls. Diese Vollspaltenböden für Schweine sind wahrlich die Folter. Wenn das gelänge, wäre es sensationell. Auch ich werde ein Auge darauf haben. Wenn es verheilt ist.

Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.

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