Elis Lundholm

Transgender-Athlet schreibt olympische Geschichte

Olympia
11.02.2026 07:18
Porträt von krone Sport
Von krone Sport

Sportlich ging es für Elis Lundholm bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo nicht um Medaillen. Trotzdem richtete sich am Dienstag der Blick vieler nach Livigno. Der Schwede schrieb olympische Geschichte – unabhängig vom Ergebnis.

Im internationalen Skizirkus ist Lundholm bislang eher eine Randnotiz. In der Weltcup-Statistik im Buckelpistenfahren steht als Bestleistung ein 18. Platz. Doch bei Olympia markiert der 24-Jährige einen historischen Moment: Lundholm ist der erste offen trans lebende Athlet, der bei Olympischen Winterspielen antritt – im Frauen-Wettbewerb.

Auf der olympischen Buckelpiste bei den Frauen belegte er nach einem Fahrfehler in der Quali den letzten Platz. Deshalb muss Lundholm eine zweite Qualifikation am Mittwoch bestreiten.

Als Transmann gilt ein Mann mit männlicher Geschlechtsidentität, dem bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde.

„Körperlich keine Vorteile“
Gegenüber der schwedischen Zeitung „Aftonbladet“ erklärte Lundholm vor seinem Start: „Es fällt mir schwer, Außenstehenden mein Empfinden zu erklären, aber innerlich fühle ich mich wie ein Mann. Körperlich habe ich keinerlei Vorteile gegenüber meinen Konkurrentinnen.“

Da sich Lundholm bislang keiner geschlechtsangleichenden Behandlung unterzogen hat und juristisch weiterhin als Frau geführt wird, gab es um seine Teilnahme an den Frauen-Wettbewerben keine nennenswerten Diskussionen – weder innerhalb der Verbände noch unter den Konkurrentinnen.

Elis Lundholm
Elis Lundholm(Bild: AP/Lindsey Wasson)

Nach seinem Outing vor fünf Jahren sei er „gut behandelt“ worden und könne sich „glücklich schätzen“, so Lundholm. Reaktionen von außen schließe er dennoch nicht aus: „Natürlich höre ich die Stimmen da draußen. Aber ich mache einfach mein Ding.“

Hass im Netz – Schutzmaßnahmen greifen
Der historische Moment überforderte allerdings auch Kritiker. Ein konservativer X-Account sorgte mit einem transphoben Kommentar für Aufsehen. Um sich auf den Sport zu konzentrieren, müsse man soziale Medien während der Wettbewerbe wohl ignorieren, sagte Lundholm. Das Internationales Olympisches Komitee setzt inzwischen Künstliche Intelligenz ein, um Athletinnen und Athleten bestmöglich vor Hassnachrichten zu schützen.

„Eher eine Vorsichtsmaßnahme“
Am Tag seiner Nominierung schloss Lundholm sein Instagram-Konto vorübergehend. „Das lag eigentlich nicht daran, dass es viele Kommentare gegeben hätte. Es war eher eine Vorsichtsmaßnahme“, berichtete der Physik-Student „Aftonbladet“. Inzwischen ist der Account wieder aktiv: „Es gab hier und da ein paar böse Kommentare, aber meistens habe ich sehr viele nette Kommentare bekommen. Ich habe viel Liebe und Unterstützung erfahren.“

Rückhalt von Trainer und Verband
Robert Hansson, Cheftrainer des schwedischen Buckelpisten-Teams, hebt die Akzeptanz hervor: „In unserem Sport war es unglaublich einfach. Natürlich gab es Fragen, aber man hat es erklärt und dann hieß es sofort: ‘Okay, ich verstehe.‘“

Auch das IOC stellte klar: „Elis Lundholm tritt in der Frauenkategorie an, was dem Geschlecht dieser Athletin entspricht.“

Klare Linie im schwedischen Team
In der schwedischen Delegation gibt es keinen Zweifel an Lundholms Zugehörigkeit. Fredrik Joulamo, Chef des Nationalen Olympischen Komitees Schwedens, erklärte „Aftonbladet“: „Elis’ juristisches Geschlecht ist weiblich, aber er identifiziert sich als Junge, also wenden wir als Pronomen er/ihn an. Es ist wichtig, dass es im Sport Platz für alle gibt und dass es fair ist.“

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