Parteichef-Kür in Wien

Karl Mahrer: „Kritik ist kein Wien-Bashing“

Ein Parteitag bei sengender Hitze in der Eishalle. Karl Mahrer hat Gernot Blümel nun offiziell als ÖVP-Chef in Wien abgelöst.

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Vor der Eishalle Kagran hat es 31 Grad, auch drinnen ist es subtropisch heiß. 1500 Gäste sind zum 37. Parteitag der Wiener ÖVP gekommen. Es gibt Schnitzelsemmeln, Mineralwasser und süße Makronen. Die Teilnehmer fächeln sich mit den Kärtchen gegenseitig Wind zu. Die Strahler an der Decke leuchten türkis. Karl und Karl (Nehammer und Mahrer) marschieren gemeinsam ein. Stehende Ovationen.

Es gilt, den Nachfolger von Gernot Blümel zum Chef der stärksten Oppositionspartei zu küren. Die Eröffnung hält ein schwarz gewandeter orthodoxer Priester. Er betet für die „Toten in der Ukraine, für die Toten der ÖVP“ und - bei den Turbulenzen der vergangenen Jahre durchaus süffisant - für ein „Ende der Korruption“. Ein Streichorchester spielt die Bundeshymne. Unter den Ehrengästen sitzt Wolfgang Schüssel. Der Ex-Kanzler erhält fast so viel Applaus wie Gernot Blümel. Landesgeschäftsführer Markus Keschmann lobt den früheren Finanzminister über den Klee: „Du übergibst eine starke Volkspartei. Wir sind empört, wenn dir Unrecht getan wird.“

Nehammer: „Mahrer hat Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen“
Peter L. Eppinger wuselt durch die Reihen und holt Bezirksräte vor die Kamera. Zwischenzeitlich wird eine Vespa verlost. Dann kommt der Kanzler auf die Bühne. Warum er Karl Mahrer für den richtigen Obmann hält? „Er hat die Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen“, sagt Nehammer. Er lobt den Ex-Poliziten als Sicherheitsexperten, der für die Interessen der Bürger kämpft. Als die Grünen die Polizei entwaffnen wollte, sei Mahrer entschieden dagegen aufgetreten.

Endlich kommt der 67-Jährige selbst zu Wort: Warum tut er sich die Politik an? „Aus Liebe“ (zu den Menschen, der Partei). Die Schwarz-Türkisen will er stärker öffnen. „Wir sind die neue Grätzel-Partei.“ Jeder der 248 Bezirksräte sei persönlich für sein Grätzel verantwortlich. Die Wiener SPÖ bekommt leicht ihr Fett ab („abgehoben“). Und der neue Chef erzählt von einer somalischen Familie mit vier Kindern, die sich - obwohl seit vielen Jahren in Österreich - kaum Deutsch spricht und sich nicht integrieren will. Schuld daran sei die Ignoranz der rot-pinken Stadtregierung. Mahrer erklärt: „Kritik an Wien ist kein Wien-Bashing.“

Die Sache mit dem Kuchen
Und dann stand da noch die Sache mit dem Kuchen im Raum. Sind Frauen für den Herd zuständig und stören Männer beim Homeoffice? Das sei unglücklich formuliert gewesen, sind sich die Top-ÖVPlerinnen Laura Sachslehner („backe keine Kuchen“) und Elisabeth Olischar („backe gerne Kuchen“) einig. Karl Mahrer erhielt 94,2 Prozent Zustimmung.

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